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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 9, pp 62–62 | Cite as

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

  • Beate Schumacher
Allgemeine Onkologie Literatur kompakt
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Krebspatienten, die zusätzlich zu einer etablierten Therapie komplementärmedizinische Verfahren nutzen, haben neuen Daten zufolge schlechtere Überlebenschancen — scheinbar aber nicht wegen der Komplementärmedizin selbst.

Ein US-amerikanisches Forscherteam hat Informationen aus der National Cancer Database (NCDB) ausgewertet: Unter mehr als 1,9 Millionen Patienten, bei denen ein nicht metastasierter Krebs der Brust, der Prostata, der Lunge oder des Darms diagnostiziert worden war, waren 258 (0,01 %), bei denen außer mindestens einer etablierten Therapie auch Verfahren aus der Komplementärmedizin (KM) dokumentiert war. Brust- und Darmkrebs sowie eine Erkrankung im klinischen Stadium III erhöhten die Wahrscheinlichkeit der KM-Anwendung.

Den 258 KM-Patienten wurden jeweils 4 Patienten ohne KM gegenübergestellt, die in Alter, Krebsentität und -stadium, Einkommen, Versicherungstyp und Diagnosejahr übereinstimmten. Die 5-Jahres-Überlebensrate war mit KM signifikant niedriger (82,2 vs. 86,6 %). Nach Abgleich zahlreicher Risikofaktoren war die Anwendung von KM mit einer Verdopplung des Mortalitätsrisikos assoziiert. Die wohl wesentliche Erklärung dafür zeigte sich, wenn auch Therapieverzögerungen und -verweigerungen berücksichtigt wurden. Die KM-Patienten hatten häufiger als die übrigen Patienten eine weitere konventionelle Therapie abgelehnt, etwa Operationen (7,0 vs. 0,1 %), Strahlen- (53,0 vs. 2,3 %) oder Chemotherapien (34,1 vs. 3,2 %) und Hormonbehandlungen (33,7 vs. 2,8 %). Wurde auch für diese Unterschiede adjustiert, war der Zusammenhang zwischen KM und Sterberisiko nicht mehr signifikant.

Fazit: Unter US-amerikanischen Krebspatienten scheint die Neigung für KM häufig mit einer Ablehnung weiterer etablierter Therapien einherzugehen. KM-Patienten muss die Notwendigkeit einer vollständigen Therapieadhärenz nahegebracht werden. Ärzte müssten Patienten aktiv nach solchen Therapien fragen und ihnen „dringend dazu raten, alle empfohlenen Therapien zeitgerecht zu befolgen“, so die Onkologen.

Literatur

  1. Johnson SB et al. Complementary Medicine, Refusal of Conventional Cancer Therapy, and Survival Among Patients With Curable Cancers. JAMA Oncol. 2018; https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2018.2487.CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Beate Schumacher
    • 1
  1. 1.

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