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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 9, pp 62–62 | Cite as

Krebsfrüherkennung: Falsch positive Befunde halten nicht vom Screening ab

  • Robert Bublak
Allgemeine Onkologie Literatur kompakt
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Wie wirken falsch positive Befunde im Krebsscreening auf die künftige Teilnahme an der Krebsfrüherkennung? Abschreckend, könnte man meinen. Wie die Ergebnisse einer US-Studie zeigen, trifft eher das Gegenteil zu.

Bis zu 60 % der Frauen, die sich einer jährlichen Mammografie unterziehen, erhalten im Lauf von 10 Jahren einen falsch positiven Befund. Gleiches gilt für 10–12 % der Männer, die regelmäßig ihren Spiegel an prostataspezifischem Antigen bestimmen lassen. Und 23 % der Patienten, die ihren Stuhl regelmäßig auf okkultes Blut untersuchen lassen, erhalten ein falsch positives Ergebnis. Daher gingen die Forscher der Frage nach, wie diese Erfahrung auf Menschen und ihre künftige Teilnahme an der Krebsfrüherkennung wirkt. Sie nutzten dafür Daten in elektronischen Krankenakten von mehr als 92.405 Patienten. Sie sammelten dabei Angaben aus insgesamt 450.484 Personenjahren.

Nach falsch positiven Befunden sind Frauen besonders Brustkrebsscreening-treu.

© monkeybusinessimages/Getty Images/iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Falsch positive Brust- oder Prostatakrebsbefunde waren signifikant damit assoziiert, dass die Betreffenden beim Kolorektalkrebsscreening auf neuestem Stand waren. Das Chancenverhältnis (adjustierte Odds Ratio [AOR]) war bei den Frauen bis zu fast 50 % und bei den Männern um bis zu 60 % erhöht. Die AOR für eine aktuelle Teilnahme am Brustkrebsscreening war für ehemals falsch positiv auf Brustkrebs getestete Frauen 1,4-mal erhöht bis verdoppelt. Dabei war festzustellen, dass Patientinnen, die sogar eine — negativ ausgefallene — Biopsie hatten absolvieren müssen, dem Krebsscreening besonders oft die Treue hielten. Einzig Frauen, die schon einmal ein falsch positives Ergebnis eines Screenings auf Kolorektalkrebs erhalten hatten, waren seltener zum aktuellen Termin für das Mammakarzinom-Screening erschienen.

Fazit: Falsch positive Brust- und Prostatakrebsbefunde sind mit einer höheren Teilnahmerate an künftigen Krebsscreenings assoziiert. Die Erfahrung, einen falsch positiven Krebsbefund erhalten zu haben, scheint nicht vom Screening abzuhalten. Allerdings könnte das bedeuten, dass der Schrecken erschreckend lange nachwirkt.

Literatur

  1. Taksler GB et al. Implications of False-Positive Results for Future Cancer Screenings. Cancer. 2018;124(11):2390–8.CrossRefPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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