Advertisement

Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 71–71 | Cite as

Viele Tumorpatienten müssen unnötig Schmerzen erleiden

  • Robert Bublak
Allgemeine Onkologie Literatur kompakt
  • 66 Downloads

Aktuelle Daten zur hiesigen Versorgungsqualität von Patienten mit tumorbedingten Schmerzen haben Ergebnisse zutage gefördert, die nicht nur den Betroffenen wehtun müssen.

Unverändert ist die schmerzmedizinische Versorgung von Tumorpatienten in Deutschland unzureichend und von einer bunten Mischung aus Unter- und Fehlversorgung gekennzeichnet. Dieses Fazit ziehen die Schmerzexperten Michael Überall, Nürnberg, und Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Göppingen, aus den Resultaten einer Studie im Fachjournal „Schmerzmedizin“.

An der Online-Querschnittbefragung im Rahmen der Praxis-Leitlinien-Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin waren 5.576 Patienten mit tumorbedingten Schmerzen beteiligt, von denen 47,4 % auch unter tumorbedingten Durchbruchschmerzen litten. Dauerschmerzen durch den Tumor wurden laut der erhobenen Daten bei 21,1 % der Patienten nicht ausreichend behandelt. Als Merkmal einer Unterversorgung galt dabei z. B. der Verzicht auf ein Opioid der WHO-Stufe 3 trotz 24-stündiger Dauerschmerzen von mehr als 40 mm auf der VAS-Skala. Bei den Durchbruchschmerzen betrug die Unterversorgung 35,4 %; das war etwa der Fall, wenn die Schmerzen bei einer Opioid-Tagesdosis von weniger als 60 mg Morphinäquivalent auftraten.

Bei 7,7 % der Dauerschmerzen und 5,3 % der Durchbruchschmerzen war eine Fehlversorgung festzustellen. Dabei entstehen vermeidbare Schäden respektive übersteigt das Schadenspotenzial den möglichen Nutzen. Definiert war die Fehlversorgung unter anderem als Einsatz einer Rescue-Therapie ohne Vorliegen von Durchbruchschmerzen bzw. bei unzureichender Opioid-Tagesdosis. Nicht selten traten Unter- und Fehlversorgung kombiniert auf. Der Anteil betrug bei Patienten mit Dauerschmerzen 23,7 % und bei jenen mit Durchbruchschmerzen 30,6 %.

Formal adäquat versorgt waren laut der Analyse 37,1 % der Patienten mit tumorbedingten Schmerzen.

Fazit: Dieser Analyse zufolge erhalten weniger als 50 % der Krebspatienten mit tumorbedingten Schmerzen eine adäquate Schmerzversorgung.

Literatur

  1. Überall MA, Müller-Schwefe GHH. Status quo der Behandlung tumorbedingter Dauer- und Durchbruchschmerzen in Deutschland. Schmerzmedizin. 2018;34(2):38–48.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations