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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 71–71 | Cite as

Chronische Erkrankungen als treibende Kraft für Krebs

  • Peter Leiner
Allgemeine Onkologie Literatur kompakt
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Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Gichtarthritis und kardiovaskuläre Krankheiten erhöhen Krebsinzidenz sowie -mortalität, und das umso stärker, je mehr von ihnen gleichzeitig auftreten. Der Einfluss entspricht in etwa dem von 5 Lebensstilfaktoren, wie Rauchen und körperliche Inaktivität, zusammen.

Für eine prospektive Kohortenstudie werteten Forscher die Daten der MJ Health Research Foundation in Taiwan von mehr als 405.000 Patienten aus. Im Fokus standen 5 chronische Krankheiten: kardiovaskuläre Krankheiten, Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Lungenerkrankungen und Gichtarthritis. Primäre Endpunkte waren Krebsinzidenz und -mortalität. Außerdem wurden die Teilnehmer nach dem Grad ihrer körperlichen Aktivität und ihrem Verzehr von Früchten und Gemüse befragt.

Alle einbezogenen chronischen Erkrankungen bzw. deren Marker — außer Blutdruck und Lungenerkrankung — waren jeweils mit einem erhöhten Risiko für eine Krebserkrankung assoziiert, mit adjustierten Hazard Ratios (aHR) von 1,07–1,44. Ebenso waren die chronischen Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko assoziiert, an den Folgen einer Tumorerkrankung zu sterben (aHR 1,12–1,70). Für die Berechnungen wurde eine ganze Reihe von Faktoren berücksichtigt, etwa Alter, Beruf, Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität.

Schließlich berechneten die Forscher für jeden Studienteilnehmer Risikoscores, in denen die chronischen Erkrankungen und ihre Marker zusammen berücksichtigt wurden, und setzten sie in Beziehung zur Krebsinzidenz und -mortalität. Das Ergebnis: Teilnehmer mit dem höchsten Score (vs. dem niedrigsten), also den meisten positiven Markern, hatten eine 2,21-fach höhere Krebsinzidenz und sogar eine 4-fach höhere Krebsmortalität.

Die höchsten Scores waren mit 13,3, Jahren weniger Lebenszeit bei Männern und 15,9 Jahren weniger bei Frauen assoziiert. Der Anteil, mit dem die chronischen Erkrankungen bzw. Marker zum Auftreten einer Krebserkrankung beitrugen, war ähnlich hoch wie der Anteil der 5 folgenden Lebensstilfaktoren zusammen (sog. populationsbezogenes attributables Risiko: 20,5 bzw. 24,8 %): Rauchen, geringe körperliche Aktivität, geringer Verzehr von Obst und Gemüse, Alkoholkonsum und ein nicht dem Ideal entsprechender Body-Mass-Index.

Fazit: In dieser Untersuchung trugen die analysierten chronischen Erkrankungen mehr als ein Fünftel zum Risiko für eine Krebsneuerkrankung und mehr als ein Drittel zum krebsbedingten Mortalitätsrisiko bei.

Literatur

  1. Tu H et al. Cancer risk associated with chronic diseases and disease markers: prospective cohort study. BMJ. 2018;360:k134.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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