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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 70–70 | Cite as

Tests im Test: Depressionsscreenings

  • Christian Behrend
Allgemeine Onkologie Literatur kompakt

Es wird immer wieder empfohlen, dass Krebspatienten ein Screening zum Erkennen einer Depression durchlaufen. Aber wie gut sind die gängigen Verfahren?

Zahlreiche klinische Richtlinien empfehlen ein generelles Depressionsscreening für Krebspatienten. Schließlich greift die Tumorerkrankung bei vielen Patienten auch die psychische Gesundheit an. Doch Kritiker weisen regelmäßig darauf hin, dass die verfügbaren Tests für die spezielle Population onkologischer Patienten nicht ausreichend evaluiert sind. Zu Recht, wie sich jetzt zeigt: Ein Team deutscher Psychologen und Psychotherapeuten hat 2 gängige Screeninginstrumente für dieses Setting hinsichtlich ihrer diagnostischen Korrektheit anhand einer, wie sie schreiben, repräsentativen Probe von Krebspatienten mit einem standardisierten klinischen Interview verglichen: die Depressions-Module des 9 Punkte umfassenden Patient Health Questionnaire (PHQ-9) und der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D).

Im Rahmen der multizentrischen Studie wurden die Daten von 2.141 Patienten ausgewertet. Sie litten unter verschiedenen Krebserkrankungen und waren mit den unterschiedlichsten Behandlungsansätzen therapiert worden. Um die diagnostische Güte der Verfahren zu bewerten, griffen die Forscher auf die sogenannten Receiver-Operating-Characteristic(ROC)-Kurven zurück. Mit diesen lassen sich Sensitivität und Spezifität eines Verfahrens für alle denkbaren Cutoff-Werte gemeinsam beurteilen. Die Screeningergebnisse wurden jeweils mit dem Ergebnis des Composite International Diagnostic Interview for Oncology verglichen, das als Referenz diente.

Mithilfe von PHQ-9 und HADS-D ließ sich eine Depression mit redlicher Güte diagnostizieren (Werte unter den ROC-Kurven 0,78 bzw. 0,75; kein signifikanter Unterschied zwischen den Verfahren: p = 0,15).

Der PHQ-9 zeigte die besten Screeningergebnisse mit einem Cutoff-Wert von ≥ 7 (dieser Wert liegt niedriger als in früheren Studien empfohlen): Die Sensitivität lag dann bei 83 %, die Spezifität bei 61 %. Demgegenüber hatte der Screeningalgorithmus der American Society of Clinical Oncology (ASCO), der auf PHQ-9-Items basiert, eine unbefriedigende Sensitivität von 44 % und eine Spezifität von 84 %.

Die Forscher schreiben, dass eine Verwendung der beiden gängigen Fragebögen mit ausreichend sensitiven Cutoff-Scores zu einer großen Zahl an falsch-positiven Ergebnissen führen würde (Abb. 1), was wiederum zeitintensive Follow-up-Tests erfordere. Angesichts dessen plädieren sie dafür, alternative Konzepte zu nutzen und erforschen — etwa die Erfassung des Bedarfs durch sorgfältig geschulte Psychoonkologen.

Abb. 1

Bei einem Cuttoff-Wert von . 7 war im PHQ-9 bei 37 von 100 gescreenten Teilnehmern das Ergebnis falsch positiv fur eine Depression und bei einer Person falsch negativ.

Fazit: Bei onkologischen Patienten waren die Fragebögen PHQ-9 und HADS-D im Vergleich zu einem standardisierten diagnostischen Interview von begrenztem Nutzen. Kosten und Nutzen von routinemäßigen Screenings aller Krebspatienten sollten (zugunsten von Alternativen) sorgfältig abgewogen werden.

Literatur

  1. Hartung TJ et al. The Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) and the 9-Item Patient Health Questionnaire (PHQ-9) as Screening Instruments for Depression in Patients With Cancer. Cancer. 2017;123(21):4236–43.CrossRefPubMedGoogle Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christian Behrend
    • 1
  1. 1.

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