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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 7–8, pp 41–41 | Cite as

Nephrotoxizität von Cisplatin vorbeugen: Tut’s auch eine abgespeckte Hydrierung?

  • Peter Leiner
Supportivtherapie Literatur kompakt
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Fällt bei Krebspatienten mit Malignomen im Thoraxbereich die konventionelle Hydrierung geringer aus als bisher üblich, ist die Nephrotoxizität durch die Cisplatin-haltige Chemotherapie offenbar weniger stark ausgeprägt.

Bei inadäquater Hydrierung besteht für Tumorpatienten unter einer Cisplatin-haltigen Chemotherapie die Gefahr der Nephrotoxizität. Es gibt Hinweise aus kleineren Studien, dass Patienten eher von einer abgespeckten Version der Hydrierung profitieren. Doch fehlten bisher größere Studien, die deren Überlegenheit im Vergleich zur konventionellen Hydrierung belegen. Deshalb haben japanische Onkologen Häufigkeit und Schwere der Nephrotoxizität bei Patienten mit verkürzter und konventioneller Hydrierung miteinander verglichen.

Zur konventionellen Hydrierung wurde 356 Patienten vor und nach der Chemotherapie jeweils 1.000 ml Flüssigkeit infundiert. An Tag 1 erhielten sie insgesamt 3.200–3.600 ml Flüssigkeit. Danach wurden für mindestens 3 Tage 1.000–2.000 ml täglich infundiert. In der Vergleichsgruppe wurde bei den 111 Patienten nur an Tag 1 eine Hydrierung vorgenommen, mit zunächst jeweils 500 ml Flüssigkeit direkt vor und nach der Chemotherapie und einem infundierten Gesamtvolumen von 1.550–2.050 ml. Zudem erhielten die Patienten zur Diurese Mannitol kurz vor der Chemotherapie, in der Gruppe mit konventioneller Hydrierung 3 Stunden nach der Chemotherapie. Alle Patienten bekamen Kaliumchlorid.

Die im Median 62-jährigen Studienteilnehmer hatten alle ein thorakales Malignom, die meisten ein Adenokarzinom der Lunge: 57,5 % der Patienten in der Gruppe mit konventioneller Hydrierung, 74,8 % in der Vergleichsgruppe. Eine Magnesiumsupplementation erhielten mehr Patienten mit verkürzter Hydrierung (99,0 vs. 82,9 %). Cisplatin wurde u. a. zusammen mit Vinorelbin, Pemetrexed oder mit dem Anthracyclin Amrubicin verabreicht. Beurteilt wurde die Nephrotoxizität auf Basis der CTCAE (Version 4.0). Der Fokus lag auf den Schweregraden 0–2, wobei 1 für „asymptomatisch“ und „keine Indikation für eine Intervention“ steht, 2 für „mäßige Symptomatik“ und „minimale, lokale nicht invasive Indikation angezeigt“.

Kürzere Hydrierung von Vorteil

In der Gruppe mit weniger Hydrierung war bei einem signifikant geringeren Teil der Patienten eine Reduktion der Platindosis aufgrund von Nephrotoxizität erforderlich (6,3 vs. 12,9 %). Auch brachen signifikant weniger Patienten dieser Gruppe die Platintherapie wegen einer Nephrotoxizität ab (0,9 vs. 2,2 %). Schließlich stieg nach dem letzten Therapiezyklus der Kreatininwert bei deutlich weniger Patienten in der Gruppe mit geringerer Hydrierung um mehr als einen Schweregrad (14,4 vs. 33,1 %). Der Anteil der Patienten mit Schweregrad 1 lag bei 14,4 bzw. 28,9 %. Der multivariaten Regressionsanalyse zufolge war die Wahrscheinlichkeit für eine Nierenschädigung von mindestens Schweregrad 1 nach dem ersten Chemotherapiezyklus unter der abgeschwächten Hydrierung um mehr als 80 % niedriger als unter Standardhydrierung (Odds Ratio 0,19; 95%-Konfidenzintervall 0,06–0,61; p = 0,006). Keinen Unterschied zwischen den Hydrierungsgruppen gab es hingegen bei den Parametern Gesamtansprechrate, Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben. Einschränkend weisen die Ärzte darauf hin, dass es sich um eine retrospektive, nicht randomisierte Untersuchung handelte.

Eine kürzere Hydrierung reduzierte die Nephrotoxizität deutlich.

© hywards / stock.adobe.com

Fazit: Durch ein geringeres Volumen und eine niedrigere Frequenz der Hydrierung ist eine Cisplatin-haltige Chemotherapie dank geringerer Nephrotoxizität verträglicher.

Literatur

  1. Tanaka M et al. Reduction in nephrotoxicities using short hydration for chemotherapy containing cisplatin: a consecutive analysis of 467 patients with thoracic malignancies. ESMO Open. 2018;3(4):e000342.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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