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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 5, pp 68–68 | Cite as

Ein Schritt in die richtige Richtung

Ärzte halten sich mit Antibiotika zurück

  • Arno Fricke
Praxis konkret
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Ärzte verordnen weniger Antibiotika als noch vor zehn Jahren. Der Handlungsdruck auf die Politiker im Kampf gegen multiresistente Keime bleibt gleichwohl hoch.

Niedergelassene Ärzte verordnen weniger Antibiotika. Vor allem Kinder werden seltener mit Antibiotika behandelt. Das geht aus aktuell veröffentlichten Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) hervor.

Gleichwohl warnt die Bundesregierung vor einer Ausbreitung antibiotikaresistenter Erreger in Deutschland. 2010 wurden ausweislich des ZI-Versorgungsatlas je 1.000 gesetzlich Versicherte 562 Verordnungen über Antibiotika ausgestellt. 2018 waren es nurmehr 446, was einem Minus von 21 % entspricht (Abb. 1). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre bekamen im Untersuchungszeitraum 41 % weniger an Antibiotikagaben, Säuglinge sogar 49 %.

Abb. 1

Antibiotika-Verordnungsraten der Altersgruppen. Altersgruppenspezifische Verordnungsraten systemischer Antibiotika von 2010 bis 2018 im Zweijahres-Intervall.Angegeben werden die Verordnungen pro 1.000 Versicherte im Jahr.

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung

„Der starke Rückgang des Antibiotikagebrauchs im Alterssegment der 0- bis 10-Jährigen markiert einen tief greifenden Wandel in der pädiatrischen Versorgung“, kommentierte Untersuchungsleiter Dr. Jörg Bätzing dieses Ergebnis.

Die ZI-Forscher ermittelten die deutlichsten Abnahmen für Tetracycline (44 %), Fluorchinolone (41 %) und Sulfonamide/Trimethoprim (37 %). Die Anwendungshäufigkeit von Cepahlosporinen ging um 17 % zurück.

Kampf gegen Resistenzen

Es bestehen nach wie vor strukturelle Defizite im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, wie eine Recherche der Bundesregierung zeigt: Die Ausstattung der Krankenhäuser mit Hygienepersonal ist ausbaufähig.

2017 beschäftigte nur jedes zweite von 1.942 Krankenhäusern eine Hygienefachkraft. Das hat die Bundesregierung für eine Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag ermittelt. Die Bundesärztekammer hat 79 Fachärzte für Hygiene gezählt. Das Statistische Bundesamt geht von 227 aus. Die Diskrepanz lasse sich damit erklärten, dass einige Hygieniker im Referenzjahr 2017 mehrere Krankenhäuser betreuten, insgesamt aber lediglich 157.

FDP fordert mehr Hygienepersonal

Für den Obmann der FDP-Bundestagsfraktion, Professor Andrew Ullmann, ist klar, dass die Fachkompetenz in Hygienefragen in den Krankenhäusern gesteigert werden müsse. In Deutschland hätten im Jahr 2015 55.000 Menschen eine Infektion mit multiresistenten Keimen erlitten, 2.400 seien daran gestorben.

In den Kliniken müsse es daher flächendeckend festangestellte Hygienefachkräfte geben, sagte Ullmann am Mittwoch. Die Bundesärztekammer sei gefragt, den Facharzt für Infektiologie zu fördern. Derzeit gibt es dafür lediglich an der Berliner Charité einen eigenständigen Lehrstuhl.

Der von den Antibiotikaresistenzen ausgelöste Behandlungsaufwand und die Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung bleiben unklar. Die Regierung konnte nicht ermitteln, wie sich die Behandlungen von Menschen mit zum Beispiel MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben.

Weiße Flecken auf der Testkarte

Auch für die Häufigkeit von Tests und Screenings in Arztpraxen und Krankenhäusern sowie deren Kosten liegen der Regierung keine Daten vor. Hinweise liefert die Antibiotika Resistenz Surveillance (ARS) an der Charité.

Demnach haben die 341 an der ARS teilnehmenden Krankenhäuser die Zahl der Screening-Proben zwischen 2013 und 2017 um 60 % gesteigert. Absolute Zahlen nennt die Regierung an dieser Stelle nicht.

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Arno Fricke
    • 1
  1. 1.

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