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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 5, pp 64–64 | Cite as

Aufklärung: Wann Sie an Chlamydien, Gonokokken & Co denken sollten

  • Beate Fessler
Medizin aktuell Kongress kompakt
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Wenn Jugendliche über Halsschmerzen klagen, sollte an eine sexuell übertragbare Infektion (STI) gedacht werden. Denn „wer nimmt schon beim Blasen ein Kondom“, so Dr. Anja Potthoff, Oberärztin am Katholischen Klinikum Bochum. Die Expertin gab nützliche Tipps für STI-Diagnostik und -Aufklärung.

Wie wichtig frühzeitige Gespräche mit Jugendlichen über STI sind, zeigen Daten zum ersten Geschlechtsverkehr: Immerhin 50 % der Mädchen und 34 % der Jungen hatten mit 16 bereits Erfahrungen. Bei den unter 14-Jährigen waren es 7 % der Mädchen und 4 % der Jungen, so eine repräsentative Wiederholungsbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern. Ab dem 15. Lebensjahr sind die Prävention, Früherkennung und Therapie von STI demnach ein Thema.

©pederk / Getty Images / iStock

Nicht zuletzt auch wegen des Rückgangs von Feigwarzen befürwortete Potthoff vehement die HPV-Impfung, und zwar auch bei Jungen und auch noch nach dem ersten Geschlechtsverkehr. „Machen Sie das!“ Zudem sei die Impfung ein guter Anlass, mit den Jugendlichen und deren Eltern über STI im Allgemeinen zu sprechen.

Chlamydien sind häufig, bei 18-jährigen Mädchen sind sie die häufigste STI überhaupt. Insgesamt sind in Deutschland etwa 300.000 Menschen betroffen, und etwa 10 % der 18- bis 25-Jährigen. Typisch sind Ausfluss und Entzündungen des Beckens. Allerdings treten oft keine Frühsymptome auf, sodass sich die Infektion nicht selten erst bei Abklärung einer Unfruchtbarkeit zu erkennen gibt. Diagnostiziert wird per Abstrich oder Urin. Ein Bluttest wird nur bei ungewollter Kinderlosigkeit durchgeführt. Die Therapie: zweimal täglich 100 mg Doxycyclin über 7 bis 10 Tage.

Eine Syphilis tritt bevorzugt bei Jungen auf, die Sex mit Männern haben. Als besondere Herausforderung bezeichnete Potthoff die Syphilis bei Schwangeren. Hier drohe eine Fehlgeburt oder bleibende Schäden, vor allem, wenn die Therapie nach der 12. Schwangerschaftswoche begonnen wird. Die stützt sich auf Benzathinpenicillin intramuskulär oder, bei der Syphilis connata, auf Penicillin G intravenös.

Von einem „Tripper“ haben immerhin schon 83 % der Jugendlichen gehört, 20 % waren darauf getestet und bei knapp 5 % tatsächlich eine Gonorrhoe diagnostiziert worden. Ausfluss aus der Scheide, Abszess und Infektionen im Genitalbereich sind ein Hinweis darauf. Eine Gonorrhoe zeigt sich aber oft erst im Verlauf, etwa durch Unfruchtbarkeit. Die Therapie wird zunehmend schwieriger. Potthoff bezeichnete Gonokokken als die neuen MRSA: „Ceftriaxon ist das Einzige was noch geht.“

Ihr Fazit: Auch in der Kinder- und Jugendarztpraxis sind STI ins diagnostische Kalkül zu ziehen. Die Vorsorgeuntersuchungen U10 bis U12 sollten für die Sexualaufklärung und die HPV-Impfung genutzt werden.

Literatur

  1. Potthoff A. Hotspots der Jugendmedizin — Prävention und Diagnostik sexuell übertragbarer Erkrankungen im JugendalterGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Beate Fessler
    • 1
  1. 1.

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