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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 4, pp 17–17 | Cite as

Zweifelhafte Wirkung von Domperidon bei akuter Gastroenteritis

  • Martin Claßen
Literatur kompakt
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Die orale Rehydration stellt bei akuter Gastroenteritis die wichtigste Therapiemaßnahme dar, die bisweilen durch rezidivierendes Erbrechen erschwert wird. In dieser Situation sind Antiemetika immer wieder diskutiert worden.

Dr. med. Martin Claßen, Bremen

Die orale Rehydration stellt bei akuter Gastroenteritis die wichtigste Therapiemaßnahme dar, die bisweilen durch rezidivierendes Erbrechen erschwert wird. In dieser Situation sind Antiemetika immer wieder diskutiert worden.

Kommentar

Die Symptome Übelkeit und Erbrechen spielen bei einer AGE eine große Rolle. Allerdings zeigen große Studien, dass eine orale Rehydration trotz Erbrechen gelingen kann, wenn viele kleine Portionen Flüssigkeit mit wenigen Minuten Abstand verabreicht werden. Dennoch liegt es nahe, die Erfolgsrate der ORL-Therapie mit Antiemetika zu verbessern. Ältere Studien zeigten keinen Effekt für Dimenhydrinat auf den Rehydrationserfolg. Für die Anwendung von Ondansetron gibt es positivere Daten. Die kürzlich erschienene Leitlinie zur AGE hat die Anwendung von Ondansetron aufgrund von Sicherheitsbedenken dennoch nicht empfohlen.

Sicherheitsbedenken gab es auch bei der früher üblichen Domperidon-Dosis von 2 mg/kg (Rhythmusstörungen), weswegen in dieser Studie eine deutlich niedrigere Dosis angewendet wurde. Ob der fehlende Wirkungsnachweis auf das Erbrechen auch durch diese Dosiswahl bedingt war, lässt sich nicht mehr klären. Schade ist auch, dass das Haupttherapieziel, die erfolgreiche orale Rehydration ohne stationäre intravenöse Flüssigkeitszufuhr, kein Endpunkt der Studie war.

Es bleibt festzuhalten, dass die orale Rehydratation mit der Zufuhr der ORL in kurzen Abständen steht und fällt. Wenn die Eltern das übernehmen, kann die orale Zufuhr trotz Erbrechen erfolgreich sein. Leider gibt es in vielen Kliniken nicht genug Pflegepersonal, um dies umzusetzen, sodass immer noch viele Kinder an der intravenösen Zufuhr landen. Das scheint unabhängig davon zu sein, ob Antiemetika eingesetzt werden oder nicht. Domperidon würde ich aktuell nicht mehr einsetzen.

Literatur

  1. Leitz G et al. Safety and efficacy of low dose domperidone for treating nausea and vomiting due to acute gastroenteritis in children, J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2019.  https://doi.org/10.1097/MPG.0000000000002409Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Martin Claßen
    • 1
  1. 1.

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