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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 2, pp 74–74 | Cite as

August Friedrich Siegert (1820–1883)

Das Kind des Künstlers

  • Joachim Gunkel
Bildbetrachtung
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Der deutsche Genremaler August Friedrich Siegert schafft es wie kaum ein anderer Künstler, die Gefühlswelt von Kindern darzustellen: so auch auf dem Bild „Der kleine Kunstfreund“, das ein Kind zeigt, das ein Gemälde bestaunt.

Als ich das nur 50 x 40 cm kleine Gemälde „Der kleine Kunstfreund“ von August Siegert vor einigen Jahren zufällig unter den Meisterwerken der Düsseldorfer Malerschule entdeckte, hielt ich dieses besondere Bild für meine 100. Titelbild-Bildbetrachtung in der Pädiatrie zurück. Und nun ist es soweit: Zum 100. Mal stelle ich Ihnen ein Werk vor, das ein Kind beziehungsweise Kinder zum Motiv hat. Wenn auch nicht mehr auf dem Titel, so bleiben Ihnen die „Kinder in der Kunst“ auch weiterhin an dieser Stelle erhalten.

Kleine Kunstkenner

August Siegert hatte sich seit 1840 bevorzugt der Historienmalerei gewidmet, ab etwa 1850 dann der Genremalerei zugewandt. Auf dem Gemälde ist er im Hintergrund an der Staffelei malend sichtbar, während im Vordergrund eines seiner vier Kinder — wahrscheinlich ein Sohn — zu sehen ist. Es könnte auch eine Tochter sein, denn dieses Gemälde findet man auch untertitelt mit „Eine kleine Kunstkennerin“.

Der kleine Kunstfreund hatte offensichtlich gerade mit seinem kleinen Holzpferdchen gespielt und nun die vielen Personen — überwiegend Soldaten zu Pferde — auf dem großen Gemälde entdeckt. Ob es der Vater selbst gemalt hatte? Ihm war von den Kritikern in seinen Genre-Bildnissen eine meisterhafte Technik und eine harmonische Vollendung bis ins kleinste Detail bescheinigt worden.

August Friedrich Siegert „Der kleine Kunstfreund“ (um 1859)

Es handelt sich um eine ganz ungewöhnliche Darstellung eines Künstlerkindes. Meist findet man die Malerkinder spielend, auf einem Schaukelpferd, auf dem Schoß der Mutter oder schlafend dargestellt. Und natürlich auch wie sie zeichnen oder an der kindgerechten Staffelei sitzen. Siegert hatte einen ausgeprägten Sinn für die Gefühlswelt der Kinder, die er auch in den Gemälden „Spielende Kinder“, „Der kleine Bibliothekar“ und „Die Kinder des Trompeters“ zum Ausdruck brachte.

Der Genremaler

August Siegert wurde in Neuwied geboren und besuchte bereits mit 15 Jahren die Düsseldorfer Kunstakademie, wo ihn ab 1841 Friedrich Wilhelm von Schadow (1788–1862) ausbildete. Von 1846–1848 bereiste er Holland, Belgien, Italien und Frankreich. Danach wohnte er in München, dann einige Jahre in seiner Geburtsstadt Neuwied. Hier machte er sich zunächst mit seinen Porträts einen Namen. Später zog er nach Düsseldorf, wo er 1852 heiratete. Aus der Ehe erwuchsen zwei Söhne und zwei Töchter. Von 1851–1859 leitete er dann in Düsseldorf ein Meisteratelier der dortigen Kunstakademie. 1872 ernannte man ihn zum Professor. Von 1852 an bis zu seinem Tode war Siegert Mitglied im angesehenen Düsseldorfer Künstlerverein „Malkasten“.

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Authors and Affiliations

  • Joachim Gunkel
    • 1
  1. 1.

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