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Pädiatrie

, Volume 31, Issue 2, pp 33–33 | Cite as

Hilfe für gemobbte Kinder

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Fortbildung
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Prof. Dr. med. Walter Dorsch Kinder- und Jugendarzt München

Prof. Dr. phil. Klaus Zierer Ordinarius für Schulpädagogik Universität Augsburg

? Es ist den Eltern offensichtlich sehr wichtig, beide kommen mit ihrem 11-jährigen Jungen in die Praxis und führen bittere Klage über Nickis Mitschüler, die ihn permanent mobben, und seine Schule, die sich demgegenüber als vollkommen hilflos zeigt.

! Prof. Dorsch: Es gibt — so scheint es — kaum Schulen ohne Mobbing. Der Grund sind Rivalität, Konkurrenz und Gegnerschaft der Schüler. Für mobbende Schüler scheint es wirkamer zu sein, Konflikte aus dem Hinterhalt auszutragen (besonders hinterhältig das Cybermobbing). Jedes Merkmal ist willkommen, um potenzielle Opfer zu markieren: die falsche Kleidung oder falsche Herkunft.

Aber man kann sich wehren: Potenzielle Opfer sollten Fehler vermeiden, die sie in ihrer Opferrolle fixieren. Wir versuchen in unserer Praxis den Blick der Betroffenen zu schärfen und ihnen Mut zur Abgrenzung zu machen. Entscheidend ist das Bewusstsein, dass Mobbing nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche entsteht. Selbstbewusste Kinder und Jugendliche scheuen den offenen Konflikt nicht und handeln nicht im Geheimen, quasi aus dem Untergrund heraus. Sie können Konflikte, wie sie in jeder Gemeinschaft auftreten, offen benennen und meist konstruktiv lösen. Anders ausgedrückt: Wer mobbt, der hat es nötig! Nur wer schwach ist, muss verdeckt agieren und heimlich hetzen. Potenzielle Mobbingopfer sollten zwei Kardinalfehler vermeiden: Sich zu unterwerfen oder zu versuchen, die Gegner zu unterwerfen, deshalb ein paar Empfehlungen:
  • Nicht versuchen, die Gegner zu demütigen und gleiches mit gleichem vergelten.

  • Ichbotschaften senden, statt Abwertungen der Anderen.

  • Die eigene Meinung und Haltung klar und unzweideutig formulieren, dabei aber einzelne Gegenspieler direkt als Einzelperson ansprechen.

  • Respektvollen Umgang zeigen.

  • Gründe für Ablehnung oder Kritik offen hinterfragen.

! Prof. Zierer: Die Kraft der Peers ist nicht nur für schulische Leistungen wesentlich, sondern auch für ein erfülltes Leben. Aus diesem Grund ist es durchaus wichtig, ein wachsames Auge darauf zu haben, was in Klassen und im Freundeskreis los ist. Allerdings ist auch Vorsicht geboten, weil Konflikte gerade im Kindes- und Jugendalter ebenso schnell kommen wie sie gehen. Wenn Eltern und Lehrkräfte versuchen, diese aktiv zu lösen, kommen sie schnell in unwegsames Gelände: Sie waren nicht dabei, wenn ein Klassenkamerad dieses oder jenes gesagt oder getan haben soll. Was also tun?

Solange Konflikte nicht wirklich zu psychischen oder physischen Auffälligkeiten führen, ist Gelassenheit wichtig — Eltern müssen nicht die Konflikte ihrer Kinder lösen. Dies ist durchaus auch Aufgabe der Kinder selbst. Wenn Eltern den Kindern als Gesprächspartner zur Seite stehen und ihnen aufzeigen, dass Konflikte Teil des Lebens sind und dass Kompromissbereitschaft wichtig für das Lösen von Streitereien ist, dann können sie ihre Kinder vielfach unterstützen.

Anders zeigt sich die Situation, wenn Kinder psychische oder physische Auffälligkeiten haben: Bauchschmerzen am Morgen, Kopfschmerzen beim Zubettgehen. Empfehlenswert ist in diesen Situationen, selbst deeskalierend zu agieren: Eltern sollten das Gespräch mit der Lehrkraft suchen, um gemeinsam eine Lösung des Problems zu finden. Sie sollten offen sein, um selbst Veränderungen vorzunehmen und auch auf die Eltern der anderen Kinder zugehen können.

Soziale Netzwerke können über Cybermobbing neue Probleme hervorrufen. Hier gilt Entsprechendes: Eltern sollten wissen, was ihre Kinder im Netz tun. Sie sollten mit ihnen darüber sprechen, Interesse dafür zeigen und immer den Kontakt halten. Solange Eltern wichtige Bezugspersonen sind, werden ihnen ihre Kinder nicht entgleiten.

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