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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 6, pp 15–15 | Cite as

Ein Fall aus Indien: Bitot-Flecke

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Dr. med. Thomas Hoppen, Koblenz

Ein 4-jähriger Junge wurde in der Augenklinik der indischen Stadt Chandigarh mit seit einem Jahr deutlich erkennbaren weißlichen Ablagerungen in beiden Augen und verminderter Nachtsicht vorgestellt. Bei der Untersuchung erschienen die Bindehäute des rechten und des linken Auges (Abb. 1) trocken und runzlig, mit schaumigen, cremefarbenen Ablagerungen nahe den lateralen Ecken. Die Hornhäute waren klar, die Fundi unauffällig und die Sehschärfe in beiden Augen 20/30 betrug. Das Kind erschien blass, mit hypopigmentierten Haaren, einem Gewicht von 10,5 kg (Z-Wert von weniger als -3) und einer Körperhöhe von 92 cm (Z-Wert von -2,8).

Bitot-Flecke an beiden Augen eines 4-jährigen Jungen

© N Engl J Med 2018;379:869

Die okulären Befunde waren vereinbar mit — nach dem französischen Arzt Pierre A. Bitot (1822–1888) benannten — Bitot-Flecken. Hierbei handelt es sich um Keratinansammlungen, die oft vergesellschaftet mit Corynebacterium xerosis auftreten. Sie resultieren aus einer durch Vitamin-A-Mangel verursachten epithelialen Metaplasie. Ein Vitamin-A-Mangel kann auch als Folge von Hornhautulzeration mit Narbenbildung und insbesondere Nachtblindheit durch eine Fehlfunktion der Stäbchen-Photorezeptorzellen zu Blindheit führen.

Bei dem Patienten betrug der Serum-Vitamin-A-Spiegel 16,8 μg pro Deziliter (0,59 μmol pro Liter; Referenzbereich: 20–40 μg pro Deziliter/0,70–1,40 μmol pro Liter) und der Gehalt an Retinol-bindendem Protein lag nur bei 0,01 g pro Liter (Referenzbereich: 0,03–0,06). Die Sozialanamnese deckte eine extreme Armut der Familie auf und weitere Untersuchungen zeigten Anzeichen von Mangelernährung, ohne Nachweis von Darmparasiten. Der Patient erhielt eine orale Dosis von Vitamin A, die 4 Wochen später wiederholt wurde. Artifizielle Tränen wurden ebenfalls verabreicht. Die Bitot-Flecke verschwanden zunehmend, hatten sich jedoch innerhalb von 12 Wochen noch nicht vollständig aufgelöst. Den Eltern wurde empfohlen, alle 6 Monate bis zum Alter von 5 Jahren eine weitere Dosis Vitamin A zu verabreichen.

Literatur

  1. Ram J, Jinagal J. Images in clinical medicine: Bitot’s Spots. N Engl J Med 2018;379:869CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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