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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 4, pp 73–73 | Cite as

John Singer Sargent (1856–1925)

Porträtist der Schönen und Reichen

  • Joachim Gunkel
Bildbetrachtung

Der amerikanische Künstler John Singer Sargent war einer der führenden Porträtmaler seiner Zeit. Sein Talent ging jedoch noch weit darüber hinaus: Auch als Landschafts-, Wand- und Genremaler schuf er bedeutende Werke.

Bei vielen Malern war es üblich, arme Bewohner aus dem Dorf anzusprechen und zu fragen, ob sie sich für ein wenig Geld porträtieren lassen. Vor allem die Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907) ist mit ihren Kinderbildnissen aus der Künstlerkolonie Worpswede berühmt geworden. Die beiden Dorfkinder („Village Children“) auf dem Titel dieser Ausgabe erscheinen uns nicht arm und ihr Maler John Singer Sargent hatte es auch nicht nötig, Kinder aus dem Volk abzubilden. Er stammte aus wohlhabendem Haus und galt zu seiner Zeit als der weltweit gefragteste und bedeutendste amerikanische Porträtmaler.

Von Anfang an wuchs John Singer Sargent international auf, denn seine Eltern hielten es aus gesundheitlichen Gründen nicht lange an einem Ort aus — weder in Amerika noch in Europa. Und so genoss er schon in Philadelphia keine feste Schulbildung. Die übernahm der Vater, der als wissenschaftlich interessierter Arzt eine kleine Praxis unterhielt. Finanziell half der Familie auch das Erbe beider Elternteile.

John Singer Sargent „Garden Study of the Vickers Children“ (1884)

Sargent entwickelte schon sehr früh die Liebe zur Malerei. Seine Mutter unterstützte ihn beim Zeichnen und Aquarellmalen. Auch vom Vater hatte er ein gewisses Talent geerbt, der seine wissenschaftlichen Arbeiten gekonnt „untermalte“. Im Alter von 13 Jahren wurde er Schüler eines Landschaftsmalers in Rom. Anfangs zeichnete er vor allem dessen Bilder nach. Im Jahr 1871 unternahmen Maler und Schüler eine gemeinsame Studientour durch Tirol.

Ausbildungsstätten in ganz Europa

Im gleichen Jahr zog die Familie nach Dresden, damit Sargent die dortige bedeutende Kunstschule besuchen konnte. 1872 übersiedelte man nach Florenz und immatrikulierte den inzwischen 16-jährigen John an der „Accademia delle Belle Arti“. Dort kam er erstmals mit bekannten amerikanischen Malern zusammen.

1874 zog die Familie weiter in das damals kriegsgeschädigte Paris, um das Talent des jungen Malers bei einem bekannten Porträtisten zu fördern. Zu dieser Zeit erlernte er auch die Malweise von Diego Velázquez (1599–1660). Zunächst standen jedoch Landschaftsbilder im Vordergrund von den vielen Ländern, die er von Paris aus bereiste. Dabei fügte er besonders charakteristische Figuren ein. Obwohl seine Ausbildung parallel zu den ersten Ausstellungen der Impressionisten verlief, schloss er sich ihnen nicht an. Vielmehr bevorzugte er zunehmend die Gesellschaftsmalerei.

In Paris löste sein 1884 am „Salon de Paris“ eingereichtes großes Gemälde „Madame X“, die mit freien Schultern dargestellt ist, einen für ihn werbewirksamen Skandal aus. Als Widerstand gegen das damalige konservative Kunstverständnis gründete er mit anderen Künstlern den „New English Art Club“. Zwei Jahre später zog er — nun schon als Porträtist der besseren Gesellschaft bekannt — nach London und wurde in mehrere internationale Akademien gewählt. Vor allem schuf er lebensgroße Bildnisse der amerikanischen und englischen Aristokratie. Amerikabesuche im Jahr 1887/88 und zwei Jahre später verschafften ihm zahlreiche Aufträge.

Nach 1908 gab Sargent die Auftragsmalerei im Wesentlichen auf und widmete sich auf seinen zahlreichen Reisen wieder der Landschaftsmalerei. 1918 entstanden Kreidezeichnungen von in Nordafrika stationierten Soldaten. Für das „Imperial War Museum“ in London malte er im Auftrag das Historienbild „Opfer des Gaskriegs“, das 1919 zum „Gemälde des Jahres“ gewählt wurde.

Kinder — ein wiederkehrendes Motiv

Immer wieder malte Sargent natürlich wirkende Kinder in Verbindung mit der Natur — als Gegensatz zu den Porträts der „Upper Class“. Bekannt geworden sind neben „Garden Study of the Vickers Children“ (Abb.) vor allem die Kinderbildnisse „Die Söhne des Malcom Forbes“, „Robert de Cévrieux“ und das Laternenbild „Nelke, Lilie, Rose“ (1886). Kinder im häuslichen Umfeld zeigen die Gemälde „Die Töchter von Edward Darley“ und „Edouard und Marie-Louise“.

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Authors and Affiliations

  • Joachim Gunkel
    • 1
  1. 1.

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