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Pädiatrie

, Volume 30, Issue 4, pp 56–56 | Cite as

MRSA: Maßnahmen zur Dekolonisation

  • Angelika Bauer-Delto
Medizin aktuell Kongress kompakt
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Eine MRSA-Besiedelung eines gesunden Kindes ist häufig ein Zufallsbefund. „Doch auch bei rezidivierenden Haut- und Weichteilinfektionen sollte an MRSA gedacht werden“, empfahl Dr. Till Dresbach, Arbeitsgruppe Pädiatrische Infektiologie, Universitätsklinikum Bonn. Selten können MRSA eine Bakteriämie oder Osteomyelitis hervorrufen.

Über die Konsequenzen einer MRSA-Besiedlung im Alltag, beispielsweise in der Familie oder in Kindergemeinschaftseinrichtungen, sowie in der Kinderarztpraxis besteht oft Unsicherheit. Deshalb haben die Arbeitsgruppe MRSA der DGPI und das Paed IC Projekt Empfehlungen für den Umgang mit MRSA-Nachweisen bei ansonsten gesunden Kindern in der ambulanten Betreuung entwickelt [https://dgpi.de/publikationen/dgpi-stellungnahmen/]. Die Entscheidung, ob eine Dekolonisation durchgeführt wird, sollte in einer sorgfältigen, den Patienten selbst und sein familiäres Umfeld betreffenden ärztlichen Risikoanalyse getroffen werden. „Keine Dekolonisationsmaßnahme ohne Umgebungsanalyse“, betonte Dresbach.

Nicht jedes besiedelte, aber ansonsten gesunde Kind muss dekolonisiert werden. Liegen Risikofaktoren für eine MRSA-Infektion vor, sollte mindestens ein Sanierungsversuch durchgeführt werden. „Bei chronisch-kranken Patienten sollte stets eine Dekolonisierung angestrebt werden“, rät Dresbach. Häufig wünschen Eltern eine Sanierung, weil sie sich sorgen und eine Stigmatisierung des Kindes fürchten. Die Eltern sollten darüber aufgeklärt werden (siehe Kasten), dass die Maßnahmen sehr aufwändig und nicht immer erfolgreich sind. Das Umfeld muss stets miteinbezogen werden und der Erfolg hängt entscheidend von der Compliance der Eltern ab.

Bei einer Dekolonisation sind folgende Punkte zu beachten:
  • Die empfohlenen Medikamente sollten konsequent angewendet werden.

  • Zudem sind zweimal täglich Ganzkörperwaschungen — und anschließendes Desinfizieren der Hände — erforderlich.

  • Handtücher nach Gebrauch wechseln und wie die Bett- sowie Unterwäsche bei mindestens 60 °C mit einem Vollwaschmittel waschen.

  • Für das Zähneputzen Einmalzahnbürsten verwenden.

  • Häufig benutzte Gegenstände wie Spielzeug, Türklinken oder Telefone desinfizieren.

© Gerhard Seybert / Fotolia

Nach der 5- bis 7-tägigen Sanierung und einer Pause von 3 Tagen sollte eine erste Kontrolle erfolgen, empfahl Dresbach. Bei einem vorläufigen Sanierungserfolg sollten nach 3–6 Monaten sowie nach 12 Monaten weitere Kontrollen durchgeführt werden.

Kompetenznetzwerk MRSA-Kinder.net informiert

Die Beratung und Aufklärung von Eltern, deren Kind von MRSA betroffen ist, kann in der Kinderarztpraxis sehr aufwändig sein. Das Internetportal www.mrsa-kinder.net bietet umfangreiche Informationen für Eltern und behandelnde Ärzte aller Fachrichtungen. Dort sind auch Dekolonisationspläne und Links zu weiterführenden Empfehlungen zu finden.

Literatur

  1. Dresbach T. Kinder mit MRSA in der Ambulanz und in Kinder- und Jugendgemeinschaftseinrichtungen. DGPI-Symposium: Infektiologie in der pädiatrischen AmbulanzGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Angelika Bauer-Delto
    • 1
  1. 1.

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