Pädiatrie

, Volume 30, Issue 2, pp 98–98 | Cite as

Karl Hofer (1878–1955)

Der Expressionist der vielen Varianten

  • Joachim Gunkel
Bildbetrachtung
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Melancholische Kinder und Berliner Varietészenen waren typische Motive des Expressionisten Karl Hofer. Dabei gelang es ihm, seine eigenen Werke immer wieder neu zu interpretieren.

Im Vordergrund seines Schaffens stand bei dem deutschen Maler Karl Hofer der Mensch und das Menschliche. Hatte er einmal ein Bildmotiv gefunden, dann intensivierte er es mit einer Steigerung der Form durch Variation und Wiederholung über einen langen Zeitraum. Beispielhaft dafür ist das Bildmotiv „Knabe mit Ball“: Die erste Fassung schuf er 1925, zwei Jahre später entstand ein Aquarell mit dem gleichen Motiv.

Am farbigsten erscheint der Balljunge in dem abgebildeten Gemälde von 1928. Es zeigt einen Jungen mit nacktem Oberkörper in leichter Drehung, der einen Medizinball umarmt. Dabei hat der Junge mit seinem melancholisch anmutenden Gesichtsausdruck nicht die erwartete Ausgelassenheit beim Ballspiel, ebenso wenig wie in einer späteren Darstellung 1953.

Karl Hofer „Knabe mit Ball“ (1928)

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Prägende Schicksalschläge

Der Grund, warum Hofer häufig Kinder mit ernstem Ausdruck malte, könnte in seiner Biografie liegen. Sein Leben war seit frühesten Kindheitstagen von Verlust, Trauer und Einsamkeit geprägt. Sein Vater starb 1878 bereits einen Monat nach seiner Geburt, sodass er bis zu seinem elften Lebensjahr bei zwei Großtanten in Karlsruhe aufwuchs. Seine Mutter musste als Haushaltshilfe für den Unterhalt sorgen.

Hofers Interesse für Kunst zeigte sich erstmals in der Bürgerschule. Von 1892 bis 1895 absolvierte er eine kaufmännische Lehre in einer Druckerei. Hier gab es genug Papier zum Zeichnen und Malen, seine Karikaturen erregten Aufmerksamkeit. 1897 konnte Hofer dank eines großherzoglichen Stipendiums das Studium an der Karlsruher Kunstakademie beginnen, wo er dann bei Hans Thoma (1839–1924) Meisterschüler wurde. Auf seiner ersten Paris-Reise begeisterte er sich im Louvre für die Bilder des ihn prägenden Malers Paul Cézanne (1839–1906).

Nach einem Wechsel nach Stuttgart lernte er die jüdische Sängerin Thilde Scheinberger kennen, die er 1903 heirate. Ein Jahr später wurde der Sohn Karl geboren. Die Familie zog nach Paris, wo 1911 der zweite Sohn Hansrudi zur Welt kam. Nach seiner Gefangenschaft in Frankreich während des Ersten Weltkriegs entzweite sich das Ehepaar und trennte sich 1934 offiziell. 1941 wurde Thilde in Auschwitz ermordet. Inzwischen hatte Hofer im Jahre 1939 sein Modell Elisabeth Schmidt geheiratet.

Bis in die 1920-Jahre war Hofers Schaffen geprägt von zwei Indienaufenthalten und dem klassischen Formideal Arnold Böcklins (1827–1901). Mit seiner klassizistischen Malweise nimmt er dabei eine Sonderstellung im deutschen Expressionismus ein. Allegorische Aktbilder, Berliner Bar- und Varietészenen sowie Tanz und Karneval standen im Vordergrund seiner Bildthemen. 1922 folgte er dem Ruf der Berliner Kunsthochschule. 1928 wurden seinem 50. Geburtstag große Ausstellungen in Berlin und Mannheim gewidmet. Inzwischen hatten bereits zahlreiche Museen seine Gemälde erworben.

Zensur im Nationalsozialismus

Zu Beginn der 1930-Jahre äußerte sich Hofer kritisch über den beginnenden Faschismus. Seine prophetisch anmutenden Bilder ließen den Schrecken des Nationalsozialismus vorahnen. 1933 entließ man ihn daraufhin aus seinem Amt. Über 300 seiner Arbeiten entfernten die Nationalsozialisten als „entartet“ aus den Museen. 1938 erhielt Hofer schließlich Arbeits-, Ausstellungs- und Verkaufsverbot, malte aber heimlich weiter. 1942 zerstörte ein Bombenangriff sein Berliner Atelier zusammen mit seinen Werken. Wichtige Bilder malte er sofort wieder, weitere 200 Gemälde entstanden nach dem Krieg neu. Dabei änderte er die Malweise hin zu leuchtenderen Farben, kräftigen Konturen und abstrahierenden Elementen. 1945 wurde Hofer zum Direktor der wiedereröffneten Berliner Hochschule für Bildende Künste ernannt und damit rehabilitiert. 1952 erhielt er den Orden Pour le Mérite und veröffentliche seine Schrift „Aus Leben und Kunst“. Karl Hofer starb 1955 nach mehreren Schlaganfällen in Berlin.

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Authors and Affiliations

  • Joachim Gunkel
    • 1
  1. 1.

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