pädiatrie: Kinder- und Jugendmedizin hautnah

, Volume 28, Issue 1, pp 48–48 | Cite as

10. Deutscher Allergiekongress, Köln

Aktuelle Allergologie: die neuesten Forschungsergebnisse im Überblick

  • Ludger Riem
Medizin aktuell_Kongress kompakt
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Zum 10. Jubiläum des Deutschen Allergiekongresses kamen im Oktober letzten Jahres allergologisch interessierte Ärzte — dieses Mal in Köln — zusammen. Was die Vorträge und Symposien an aktuellen Forschungsergebnissen zu bieten hatten, können Sie hier nachlesen.

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Mit Basistherapeutika gegen den allergischen Marsch?

_ Bei Neugeborenen mit erhöhtem Atopierisiko könnte eine konsequente Basistherapie mit geeigneten Externa möglicherweise die Manifestation einer atopischen Dermatitis verhindern und damit frühzeitig dem Beginn des „allergischen Marschs“ begegnen. Diese Hoffnung wecken die Ergebnisse zweier aktueller Studien, die Prof. Dr. Thomas Werfel, Medizinische Hochschule Hannover, vorgestellt hat.

Im Rahmen einer in England und den Vereinigten Staaten durchgeführten Studie waren insgesamt 124 Neugeborene aus Risikofamilien für atopische Erkrankungen ab der dritten Lebenswoche randomisiert bis zum sechsten Lebensmonat mit einer auf den gesamten Körper aufgetragenen wirkstofffreien Creme behandelt worden oder blieben unbehandelt [Simpson E et al. J Allergy Clin Immunol 2014;134:818–23]. Allein durch diese Maßnahme ließ sich das kumulative Risiko für die Entwicklung einer atopischen Dermatitis um 50 % senken, berichtete Werfel.

Eine Bestätigung finden diese Daten in den Ergebnissen einer ähnlich konzipierten japanischen Untersuchung [Horimukai K et al. J Allergy Clin Immunol 2014;134:824–30]. Auch in dieser Studie wurden aus Risikofamilien stammende Neugeborene mit einer wirkstofffreien Basiscreme behandelt — in diesem Fall bis zur 32. Lebenswoche. Gegenüber unbehandelten Kindern ließ sich auch in dieser Studie die Inzidenz der atopischen Dermatitis um 32 % senken. Ein Effekt auf die Hühnerei-spezifische IgE-Produktion ließ sich nicht feststellen. Sollten sich diese Daten in größeren Studien bestätigen lassen, würde sich bei Risikokindern eine konsequent durchgeführte Basistherapie als kostengünstige Präventivmaßnahme im Hinblick auf Entstehung und Progression allergischer Erkrankungen anbieten.

Protektive Effekte einer entsprechenden Basistherapie ließen sich möglicherweise auch durch günstige Effekte auf die intakte Hautbarriere erklären. Tatsächlich gibt es nach Darstellung Werfels inzwischen klare Hinweise darauf, dass sich Patienten mit atopischer Dermatitis über die Haut auch eine Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmitteln einfangen können — ein Grund mehr, gemäß den Empfehlungen der Ende September dieses Jahres aktualisierten Neurodermitis-Leitlinie bei der Diagnostik und Therapie von Neurodermitis-Patienten nicht nur auf die Haut zu achten, sondern auch typische Komorbiditäten wie Nahrungsmittelallergien, Asthma oder allergische Rhinitis im Auge zu behalten.

Literatur

  1. AllergoCompact: Dermatologie — Allergologie aktuell (Update Neurodermitis)Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2016

Authors and Affiliations

  • Ludger Riem
    • 1
  1. 1.

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