Pauschale Intelligenztests bringen nichts
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Um die Fähigkeiten von Kindern mit Intelligenzminderung richtig abzubilden, ist die Auswahl des geeigneten Testverfahrens besonders wichtig. „Intelligenz ist keine Eigenschaft, sondern ein Funktionszustand. Eine Störung der Intelligenzentwicklung steht im Kontext mit bestimmten Lebenssituationen“, erklärte Dr. Friedrich Voigt aus München. Intelligenzquotienten (IQ) unter 70 oder 68 Punkten werden bislang als Grenzlinie zu einer Störung beschrieben. Werte unter 40 oder 50 sind mit Intelligenztests meist nicht mehr messbar, und eine zuverlässige Diagnostik ist ohnehin erst ab einem Alter von vier bis fünf Jahren möglich.
Doch die Standarddefinitionen wanken, denn im letzten Jahrzehnt habe sich das Verständnis der Intelligenz von Kindern gewandelt, sagte Voigt. Im neuen ICD-11 werde man sich deshalb auch von den heute gültigen IQ-Grenzen verabschieden. Die Schwierigkeit bei der Intelligenzmessung sei, dass sich die Normalverteilung immer auf gleichaltrige Kinder beziehe. So werde beispielsweise ein 12-jähriges Kind mit Trisomie 21 mit Kindern verglichen, die in die fünfte oder sechste Klasse gehen. Ist das Kind aber auf der Entwicklungsstufe eines 4- oder 5-Jährigen, mache es vielleicht gar keinen Sinn, diesen Test anzuwenden, fügte Voigt hinzu. Um Stärken und Schwächen in relevanten Teilbereichen zu erfassen, müsse vor der Wahl des geeigneten Tests bei normal entwickelten wie bei Kindern mit Intelligenzstörungen ein vorläufiges Entwicklungsprofil erstellt werden.
Literatur
- Voigt F. Störungen der Intelligenzentwicklung: psychologische DiagnostikGoogle Scholar