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Der unkontrollierte Status epilepticus

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Was tun bei refraktärem Status epilepticus? Dieser Frage gingen zwei US-amerikanischen Studien nach, die beide in derselben Ausgabe der Zeitschrift Pediatric Critical Care Medicine erschienen sind.

Dr. med. Thomas Hoppen, Koblenz

Ein refraktärer Status epilepticus (RSE) konnte nicht durch First- und Second-Line-Antiepileptika beendet werden und persistiert länger als 30–60 Minuten. Ein Super-RSE liegt bei Anfallstätigkeit trotz über 24 Stunden induziertem Koma vor. Was sind nun die therapeutischen Empfehlungen? Eine Arbeitsgruppe aus Boston hat sich auf die Suche nach publizierten, harten Daten gemacht [1, 2].

Von 9.003 im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche analysierten Studien zur besten Evidenz des RSE bei Kindern erfüllten schließlich nur 16 Studien (645 Patienten) die geforderten Einschlusskriterien. Wurde Midazolam als initiale Substanz eingesetzt kam es in 76 % zur klinischen Anfallskontrolle; dies durchschnittlich nach 41 Minuten. Als Folgesubstanzen wurden bei Midazolamversagen gewöhnlich Barbiturate verwendet. Nach 23 Stunden wurde im Durchschnitt ein „burst suppression“-Muster erreicht; die Effektivität lag bei 65 %. Danach kamen inhalative Anästhetika, Ketamin und Hypothermie zum Einsatz.

Kommentar:

Die Mortalität des RSE bei Kindern liegt bei bis zu 30 %. Rund 50 % der Überlebenden haben neurologische Defizite. Zudem sollte beim RSE das Ziel nicht nur das Sistieren der klinischen Anfälle, sondern auch der EEG-Pathologie sein. Das Management des RSE ist eine „vollkommen evidenzfreie Zone“. In diesem „Nichtwissen“ ist es weniger wichtig womit, sondern wie schnell, mit welchen Dosen und Risiken der RSE behandelt wird. Wir brauchen dringend einheitliche Protokolle mit festgelegten Zeiten und Dosisvorgaben, idealerweise im Rahmen multizentrischer Therapiestudien. Auch wenn Propofol als kontinuierliche Applikation aufgrund des sehr seltenen aber schwerwiegenden „Propofol-Infusionssyndroms“ in Kinderstudien nicht eingeht beziehungsweise problematisch ist, ist diese Substanz dennoch gut steuerbar und hoch effektiv. Die frühe Einzelgabe sollte meines Erachtens nicht unversucht bleiben — denn: time is brain!

Literatur

  1. 1.
    Bennet KS. Pediatric refractory status epilepticus: many more questions than answers. Pediatr Crit Care Med 2014;15:674–6CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Wilkes R et al. Intensive care treatment of uncontrolled status epilepticus in children: systematic literature search of midazolam and anesthetic therapies. Pediatr Crit Care Med 2014;15:632–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2015

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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