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Der medikamentöse PDA-Verschluss — wie geht es am besten?

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Gut ein Drittel aller Frühgeborenen unter 1.500 g sind von einem persistierenden Ductus arteriosus Botalli betroffen. Circa 80 % davon erhalten eine medikamentöse Verschlusstherapie, während mittelfristig mehr als 6 % noch immer einer operativen Ligatur zugeführt werden. Fragestellung einer italienischen Untersuchung war, ob die kontinuierliche Ibuprofengabe eine höhere Verschlussrate als die Bolusgabe erzielen kann.

Dr. med. Thomas Hoppen, Koblenz

Ein großer Ductus arteriosus (rot) bei einem Frühgeborenen in der 5. Lebensstunde

© T. Hoppen

In dieser prospektiven, randomisierten, doppelblinden, „single center“-Studie wurden 112 „very low birth weight“-Frühgeborene mit einem mittleren Gestationsalter von 27,2 Wochen und einem Geburtsgewicht von durchschnittlich gut 1.000 g mit hämodynamisch signifikantem offenen Ductus arteriosus (HsPDA) untersucht. 56 dieser Frühgeborenen erhielten Ibuprofen mittels konventioneller 15-min-Kurzinfusion und die anderen 56 erhielten Ibuprofen als Dauerinfusion über 24 Stunden. In beiden Gruppen wurde sich an die Standarddosis von 10/5/5 mg/kg KG pro Zyklus über 3 Tage gehalten.

Mit der kontinuierlichen Ibuprofengabe konnte bei rund 84 % der PDA nach 1–2 Zyklen verschlossen werden. Die konventionelle Gabe war mit 64 % weniger erfolgreich. In beiden Gruppen lagen die anhaltenden Verschlussraten nach 3 Zyklen plus Faktor Zeit geringfügig höher (86 % gegenüber 68 %). Die Unterschiede waren bei Frühgeborenen der 23.–27. SSW noch ausgeprägter. So differierten auch die Ligaturraten in beiden Gruppen (5,5 % kontinuierlich versus 19,6 % Bolus). Die Mortalität unterschied sich nicht. Erfreulicherweise kam es in der Dauerinfusionsgruppe seltener zu einer nekrotisierenden Enterokolitis.

Kommentar:

Die optimale medikamentöse Therapie eines PDA ist immer noch Gegenstand der Diskussion. Die sogenannten nonselektiven COX-Inhibitoren, zu denen neben Indomethazin auch Ibuprofen gehört, sind in der konservativen PDA-Verschlusstherapie bewährte Medikamente. Die Auswahl der Substanz, ihre Dosis und die Modalitäten der Verabreichung erfahren regelmäßig Abwandlungen. Die pharmakokinetische Verstoffwechselung und damit das Erreichen bestimmter Plasmawirkstoffspiegel zeigt zudem eine hohe interindividuelle Variabilität. Allerdings ist die effektive Medikamentenplasma-Konzentration, die zum PDA-Verschluss führt, bis heute unbekannt.

Weitere Einflussfaktoren sind PDA-Untersuchungs- und Therapiezeitpunkt, behandlerspezifische Einschätzung der Relevanz des PDA jenseits üblicher Messwerte und auch das „Gesamtversorgungskonzept und Know-how“ des Teams.

Die vorliegende Arbeit eröffnet eine plausible Perspektive und bricht eine Lanze für die kontinuierliche Ibuprofengabe beim HsPDA. Allerdings bedarf es Folgearbeiten zum pharmakokinetischen Verständnis und vor allem kontrollierter Studien mit Anwendungserfahrungen an weit größeren Patientenkollektiven.

Literatur

  1. Lago P et al. Continuous infusion of ibuprofen for treatment of patent ductus arteriosus in very low birth weight infants. Neonatology 2014;105:46–54CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2015

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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