Pädiatrie

, Volume 26, Issue 2, pp 82–82 | Cite as

Das Risiko für Invagination nach Impfung gegen Rotavirusinfektion

  • Hartmut Koch
Literatur kompakt

Nach Anwendung des ersten in den USA zugelassenen Impfstoffs gegen Rotavirusinfektion kam es recht häufig zum Auftreten von Invaginationen. Deshalb wurde die Vakzine aus dem Handel gezogen. Mittlerweile gibt es in den USA und in Deutschland zwei Impfstoffe der zweiten Generation gegen Rotavirusinfektionen. Wie sieht hier das Risiko für eine Invagination aus?

Dr. med. Hartmut Koch Vechta

Bei RotaTeq® handelt es sich um eine pentavalente Vakzine (RV 5), bei Rotarix® (RV 1) um eine monovalente. In zwei aktuellen Studien im New England Journal of Medicine wurden nun umfangreiche Daten zu den beiden Vakzinen analysiert. Ziel beider Untersuchungen war es, festzustellen, ob bei genügend großen Beobachtungszahlen auch für diese Impfstoffe ein erhöhtes Risiko für Invaginationen besteht. Solche Daten können erst nach Zulassung des Impfstoffes erhoben werden, da man eine extrem große Zahl von verwendeten Impfstoffdosen benötigt.

Yih und Kollegen von der Harvard Medical School konnten für ihre Auswertung des RV5-Impfstoffes insgesamt 1.277.556 verabfolgte Impfstoffdosen nachverfolgen, von RV1 waren es 103.098 [1]. Sie stellen fest, dass es für den Impfstoff RotaTeq® bei 100.000 Kindern, welche die erste Dosis erhalten hatten, zu 1,5 zusätzlichen Fällen von Invagination kam. Für Rotarix® zeichnete sich nur ein potenzielles Risiko ab, die Zahlen waren für eine definitive Aussage allerdings nicht groß genug.

In einer zweiten Studie von Weintraub et al. vom Centers for Disease Control wurde der Impfstoff Rotarix® (RV 1) genauer untersucht [2]. Es konnten insgesamt 207.955 verabfolgte Dosen des Impfstoffes verfolgt werden. Es ergaben sich 5,3 Invaginationsfälle pro 100.000 geimpfte Kinder. In dieser Studie war auch der andere Impfstoff RV 5 untersucht worden. Die Ergebnisse wiedersprechen der ersten Studie: Weibtraub und Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass das Invaginationsrisiko nach Anwendung des Impfstoffe Rota-Teq® geringer war als nach Anwendung von Rotarix®.

Kommentar: Beide Autorengruppen sind der Auffassung, dass die geringe Erhöhung des Invaginationsrisikos nicht gegen die weitere Verwendung der Impfstoffe spricht. Eine Empfehlung zugunsten des einen oder des anderen Impfstoffes ist aus den Untersuchungen nicht abzuleiten. Das Risiko ist offensichtlich am größten in den ersten sieben Tagen nach Verabreichung der ersten Impfdosis. In einem Kommentar von Glass und Prashar in der gleichen Ausgabe [N Engl J Med 2014 Jan 14. (Epub ahead of print)] wird klargestellt, dass der Vorteil der Impfung in Abwägung des Invaginationsrisikos immer noch massiv überwiegt. In den USA werden in jedem Jahr durch die Impfung etwa 53.000 Hospitalisierungen bei Kindern vermieden. Dem stehen 45–213 Fälle von Invagination im Jahr gegenüber. Bei alledem muss zusätzlich noch berücksichtigt werden, dass das Invaginationsrisiko durch die Wildrotavirus-Infektion möglicherweise auch erhöht ist, so dass die Frage offen bleibt, ob es in der Bilanz durch die Rotavirusimpfung wirklich zu einer Erhöhung der Invaginationsrate kommt.

Literatur

  1. 1.
    Yih WK et al. Intussusception risk after rotavirus vaccination in U.S. infants. N Engl J Med 2014 Jan 14. [Epub ahead of print]Google Scholar
  2. 2.
    Weintraub ES et al. Risk of intussusception after monovalent rotavirus vaccination. N Engl J Med 2014 Jan 14. [Epub ahead of print]Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2014

Authors and Affiliations

  • Hartmut Koch
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations