pädiatrie hautnah

, Volume 24, Issue 4, pp 296–296 | Cite as

Lampions in lauen Sommernächten

John Singer Sargent (1856–1925)
  • Joachim Gunkel
Bildbetrachtung
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Laternen und Lampions faszinieren nicht nur Kinder. Vor allem in Japan haben sie eine jahrhundertealte Tradition. Von dem US-amerikanischen Künstler John Singer Sargent, der vor allem als Porträtmaler berühmt wurde, stammt ein ganz besonders schönes Laternen-Bild.

Bereits vor der Jahrhundertwende war man in Europa begeistert von Japan und ganz besonders die Maler entdeckten zu der Zeit japanische Themen. Das hinreißende Gemälde „Nelke, Lilie, Lilie, Rose“ („Carnation, Lily, Lily, Rose“) wurde 1885 vom amerikanischen Impressionisten John Singer Sargent angefertigt, im gleichen Stil wie später der amerikanische Postimpressionist Luther E. van Gorder mit „Japanische Laternen“. Beide hatten an der gleichen Akademie studiert und kannten sich daher. Sargent kam die Idee zu seinem Bild mit dem poetischen Namen „Nelke, Lilie, Lilie, Rose“, der an einen Abzählvers erinnert, auf einer Bootsfahrt auf der Themse. Es handelt sich hier nicht um ein typisches Kinderporträt wie ein ähnliches Gemälde, das von großen Lilien dominierte „Garden Study of the Vickers Children“ (1884). Die beiden Mädchen entzünden in der Abenddämmerung in ihren langen weißen feinen Kleidern ihre japanischen Lampions in einem englischen Garten. Das Licht beleuchtet ihre Gesichter und Kleider. Und weitere an einer Schnur hängende rötlich schimmernde Laternen lassen die Blumen, neben Nelken und Rosen insbesondere die Lilien, über ihren Köpfen im hellen Licht erscheinen. Dieses Gemälde wurde 1887 enthusiastisch auf der Ausstellung der Royal Academy of London gefeiert und festigte den Ruhm Sargents.

Kindheit auf Reisen

Sargent wurde am 12. Januar 1856 in Florenz als Sohn wohlhabender amerikanischer Eltern geboren, die nach dem Tod ihres Erstgeborenen zur Ablenkung und auch aus klimatischen Gründen nach Europa gezogen waren. Hier waren sie unentwegt auf Reisen, sodass John Singer italienisch, französisch und deutsch (in Dresden) sprechen lernte. Seine künstlerische Mutter ermutigte ihn neben dem Klavierspiel zum Zeichnen. Er studierte Kunst in Rom, dann über sechs Jahre in Florenz, um anschließend 1874 nach Paris zu ziehen. Dort lernte er bei einem führenden Porträtisten und fühlte sich besonders von den Gemälden eines Diego Velazquez (1599–1660) und Frans Hals (1582–1666) angezogen.

In Paris begeisterte er sich für den Impressionismus und vor allem für Eduard Monet, den er mehrmals in Giverny besuchte. In der traditionellen Pariser Salon-Ausstellung 1884 hatte sein für die damalige Zeit gewagtes Gemälde „Madame X“ (schulterfrei) zwar großen Erfolg, wegen der teilweise negativen und prüden Kritik zog er aber ein Jahr später enttäuscht nach London. Hier galt Sargent zu seiner Zeit als bester Porträtist und wurde auch „Van Dyck der Ära König Edwards VII.“ genannt.

Er verstand es, die Individualität und Persönlichkeit virtuos darzustellen. Zwei amerikanische Präsidenten ließen sich u. a. bei seinen Besuchen in Amerika zwischen 1887 und 1889 abbilden, führende englische Aristokraten und berühmte Persönlichkeiten waren vor allem in den 1890er-Jahren seine Auftraggeber. Dabei verwendete er edle Requisiten. Nach der Jahrhundertwende standen im Vordergrund Wandmalereien mit religiösen Themen für Museen, Bibliotheken und Universitäten.

Sargent war ungeheuer fleißig und schuf über 900 Gemälde und über 2.000 Aquarelle neben unzähligen Skizzen. Er zählt zu den letzten großen Realisten und verstand es, die typischen Malstile zu vereinen. In seinem Leben hörte er nie auf, zu malen und zu reisen. Unverheiratet und ohne Nachkommen verstarb er am 15. April 1925 in London.

Luther Emerson van Gorder „Japanische Laternen“ (1895)

John Singer Sargent „Nelke, Lilie, Lilie, Rose“ (1885/86)

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© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • Joachim Gunkel

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