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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 24, Supplement 1, pp 8–8 | Cite as

Wie hormonelle Kontrazeptiva den Schlaf beeinflussen

  • Sebastian Lux
Literatur kompakt
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Dass sich Progesteron-Abkömmlinge auf den Schlaf auswirken können, war schon lange bekannt. Welche Folgen die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva tatsächlich auf verschiedene Schlafparameter haben, wurde nun in einer Studie aus Italien untersucht.

Gestagene haben einen sedativen Effekt auf das zentrale Nervensystem, was auch therapeutisch ausgenutzt wird: So führt zum Beispiel hochdosiertes Progesteron bei postmenopausalen Frauen mit Schlafstörungen dazu, dass sich die Schlafdauer wieder normalisiert. In zwei kleinen Studien konnte zudem gezeigt werden, dass sich hormonelle Kontrazeptiva positiv auf die Schlafarchitektur auswirken. Italienische Ärzte haben diesen Umstand als Anlass für eine kleine Pilotstudie genommen, in der sie untersucht haben, ob hormonelle Kontrazeptiva auch die Schlafdauer und die subjektive Schlafqualität beeinflussen.

Frauen, die hormonell verhüten, haben oft eine verbesserte Schlafqualität.

© elnariz / stock.adobe.com

Für die Studie konnten 125 Frauen gesunde, sexuell aktive Frauen zwischen 20 und 50 Jahren gewonnen werden. Die Frauen hatten in den sechs Monaten vor Studienbeginn hormonell verhütet: per Pille (Mikropille oder Kombination), Intrauterinpessar (IUP), Vaginalring oder transdermal. Als Kontrolle dienten 19 Frauen, die nicht hormonell verhüteten. Alle Frauen führten über 31 Tage ein Schlaftagebuch, danach wurde die Schlafqualität mittels Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) erfasst.

Mit Ausnahme von oralem Levonorgestrel/Ethinylestradiol (EE) wirkten sich alle Kontrazeptiva im Vergleich zu den Kontrollen positiv auf die Schlafdauer aus. Aufgrund der wenigen Probandinnen erreichten aber nur drei Präparate die Signifikanzschwelle: Am besten schnitt die Mikropille (nur Progestin) mit über 60 Minuten zusätzlichem Schlaf pro Nacht ab, gefolgt von oralem Gestoden/EE und einem der IUP (13,5 mg). Über alle Kontrazeptionsgruppen hinweg zeigte sich keinerlei Korrelation zwischen Alter und Schlafdauer — demnach scheinen die verabreichten Progestine eine wichtigere Rolle zu spielen.

Die subjektiven PSQI-Werte wurden für die jeweiligen Gruppen gemittelt und die Gruppenprozentsätze wiederum mit der Kontrolle verglichen. Über signifikant weniger gestörten Schlaf konnten sich Frauen aus den Gruppen Vaginalring, IUP 13,5 mg, Mikropille, Gestoden oral und Nomogestrol/Dienogest/Estradiol (E) oral freuen. Von einer verbesserten Schlaflatenz, also der Zeit vom Hinlegen bis zum Einschlafen, profitierten alle Gruppen mit Ausnahme der Levonorgestrel/EE-Gruppe. Tagesschläfrigkeit kam am seltensten unter IUP 20 mg, Dienogest oral und Levonorgestrel oral vor. Die Gesamtschlafqualität wiederum war in allen Gruppen besser außer Dienogest und Levonorgestrel. Die globale subjektive Schlafqualität basierend auf den PSQI-Werten war am besten in der Vaginalring-Gruppe, gefolgt von den beiden IUP-Gruppen und Dienogest.

Fazit: Die meisten untersuchten hormonellen Kontrazeptiva wirken sich positiv auf verschiedene Schlafparameter wie Schlafdauer, -latenz und -qualität aus. Die Autoren planen, die Ergebnisse mit mehr Studienteilnehmerinnen zu bestätigen. Sinnvoll sei auch, objektive Schlafparameter zu bestimmen.

Literatur

  1. Guida M et al. Variations in sleep associated with different types of hormonal contraceptives. Gynecol Endocrinol. 2019; http://doi.org/db6hGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Sebastian Lux
    • 1
  1. 1.

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