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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 6, pp 15–15 | Cite as

Austreibungsphase: sofort pressen oder warten?

  • Christine Starostzik
Literatur kompakt
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Die Wahrscheinlichkeit für eine spontane vaginale Entbindung hängt nicht davon ab, ob eine Erstgebärende mit Periduralanästhesie in der Austreibungsphase sofort oder verzögert mit dem Pressen beginnt. Schnelles Pressen hat dennoch einige Vorteile, wie Studienergebnisse zeigen.

Ob bei vollständig geöffnetem Muttermund sofort gepresst oder noch ein wenig gewartet werden soll, ist umstritten. Dies wurde nun in einer randomisierten Studie mit 2.404 Teilnehmerinnen ab der 37. Schwangerschaftswoche untersucht, die zur spontanen oder eingeleiteten Entbindung mit Periduralanästhesie aufgenommen wurden. Die Randomisierung erfolgte bei vollständiger Öffnung des Muttermundes. 1.200 Gebärende begannen spontan zu pressen, die anderen wurden angehalten, noch 60 Minuten mit dem Pressen zu warten.

Bei 85,9 % der Frauen, die in der Austreibungsphase nach durchschnittlich 19 Minuten mit dem Pressen begannen, kam es zu vaginalen Spontangeburten. In der Gruppe, die erst nach 60 Minuten presste, lag die Quote bei 86,5 %. Der Unterschied war nicht signifikant.

Jedoch war bei Frauen, die unmittelbar pressten, die zweite Gebärphase signifikant kürzer (102 Min. vs. 134 Min.), obwohl die aktive Pressphase länger dauerte (84 Min. vs. 75 Min.). Zudem kam es signifikant seltener zu einer Chorioamnionitis (6,7 % vs. 9,1 %) oder postpartalen Blutungen (2,3 % vs. 4,0 %). Im Hinblick auf schwere Blutungen (> 1 l bei vaginalen Entbindungen bzw. > 2 l bei Sectio) gab es keine signifikanten Unterschiede.

Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit von vaginal-operativen Eingriffen, Kaiserschnittentbindungen, Endometritiden, der neonatalen Morbidität sowie von Dammrissen waren nicht nennenswert. Die Patientenzufriedenheit mit der Versorgung war in den Gruppen gleich.

Jedoch steigerte das spontane Pressen die Rate der Grad-III-Dammrisse signifikant (5,7 % vs. 4,6 %). Hinsichtlich der neonatalen Morbidität zeigte die Analyse der Einzelkomponenten, dass bei den Kindern der spontan pressenden Frauen signifikant seltener eine neonatale Azidämie auftrat (0,8 % vs. 1,2 %). Auch ein Sepsisverdacht wurde seltener geäußert (3,2 % vs. 4,4 %).

Fazit: Die in der Studie gezeigten Nachteile durch ein verzögertes Pressen für Mutter und Kind unterstützen den Autoren zufolge die These, dass bei vollständig geöffnetem Muttermund das sofortige Pressen zu bevorzugen ist.

Literatur

  1. Cahill AG et al. Effect of Immediate vs Delayed Pushing on Rates of Spontaneous Vaginal Delivery Among Nulliparous Women Receiving Neuraxial Analgesia. A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018;320:1444–54CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  1. 1.

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