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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Issue 6, pp 14–14 | Cite as

Leukozyturie als Marker für rezidivierenden Harnwegsinfekt

  • Christine Starostzik
Literatur kompakt
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Die Leukozytenzahl im Urin kann einer Studie zufolge bei Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten als Biomarker dienen, um den Übergang einer harmlosen Bakteriurie in eine symptomatische Infektion anzuzeigen.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Bakterien im Urin sind per se kein Anlass für eine antibiotische Behandlung. Im Gegenteil, die Nachteile würden hier den Nutzen überwiegen. Doch wie lässt sich bei Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten erkennen, wann eine asymptomatische Bakteriurie in eine symptomatische Infektion übergeht, die eine Antibiotikatherapie rechtfertigt? In einer italienischen Studie gab die Leukozytenzahl im Urin Orientierung.

Die Leukozytenzunahme kann auch mit Teststreifen bestätigt werden.

© Alexander Raths / Fotolia

In der Querschnittuntersuchung analysierten die Mediziner Urintests und mikrobiologische Befunde von Frauen mit asymptomatischer Bakteriurie und rezidivierenden Harnwegsinfekten aus zwei vorangegangenen Studien. Dabei teilten sie die Patientinnen in zwei Gruppen ein: Gruppe A wurden 301 Frauen mit einem oder mehreren mikrobiologisch bestätigten, symptomatischen Rezidiven nach anfänglich asymptomatischer Bakteriurie zugewiesen und Gruppe B 249 Frauen, die nach asymptomatischer Bakteriurie zu Studienbeginn keine klinischen Infektionen entwickelt hatten (Kontrollgruppe). Die mittlere Beobachtungszeit lag bei rund 39 Monaten.

Als symptomatisch galt ein Harnwegsinfekt bei typischen Symptomen wie Dysurie und häufigem und starkem Harndrang und bei einer Keimzahl von ≥ 105/ml. Die Leukozyturie wurde im Sediment mikroskopisch beurteilt (> 15 Leukozyten im Hauptgesichtsfeld [HPF] bei 400-facher Vergrößerung).

Zu Studienbeginn lag die Zahl der Leukozyten/HPF in Gruppe A bei 19 ± 6 und in Gruppe B bei 13 ± 1. Zum Zeitpunkt, zu dem der Harnwegsinfekt oder das Rezidiv symptomatisch wurde, stieg bei allen Frauen (Gruppe A) die Zahl der Leukozyten im Urinsediment signifikant gegenüber dem Ausgangswert an (im Mittel auf 54 ± 5 vs. 19 ± 6). Im Mittel nahm die Leukozytenzahl pro HPF um 184 % zu. Die Autoren errechneten bei Zunahme der Leukozyten/mm3 von > 150 % eine Sensitivität von 90,1 % und eine Spezifität von 91,2 % für die Diagnose eines symptomatischen Harnwegsinfekts. Die Leukozytenzunahme im Sediment konnte sowohl in der Neubauer-Kammer (65 ± 4 vs. 19 ± 6) als auch mit dem Teststreifen bestätigt werden.

Die Studienautoren ziehen aus ihren Ergebnissen folgenden Schluss: Steigt bei Frauen, die unter rezidivierenden Harnwegsinfekten leiden, die Leukozytenzahl im Urin auf > 150 % des Ausgangswerts, ist dies ein Hinweis darauf, dass die asymptomatische Bakteriurie in eine symptomatische Harnwegsinfektion übergeht. In diesem Fall, so die Autoren, sei für diese Patientinnen eine Urinkultur zu empfehlen und nach positivem Befund eine adäquate Antibiotikatherapie gerechtfertigt. Andererseits bestehe bei einer Patientin, bei der sich eine anfängliche Leukozyturie nicht verstärke, keine tiefe Weichteilinfektion. Auch zusätzlich auftretende Symptome müssten dann nicht unbedingt von einer urologischen Infektion herrühren. Diese Patientinnen, so die Mediziner, würden eher von einer beobachtenden Strategie profitieren.

Fazit: Bei Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten hatte diesen Studienergebnissen zufolge ein Anstieg der Leukozyturie um > 150 % eine prädiktive Rolle für die Transition von einer asymptomatischen Bakteriurie zu einer symptomatischen Infektion.

Literatur

  1. Cai T et al. Role of increasing leukocyturia for detecting the transition from asymptomatic bacteriuria to symptomatic infection in women with recurrent urinary tract infections: A new tool for improving antibiotic stewardship. Int J Urol. 2018;25:800-6CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  1. 1.

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