Advertisement

gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Supplement 1, pp 51–51 | Cite as

Tipps vom Fachanwalt für Strafrecht

Vorwurf Behandlungsfehler — so reagieren Sie am besten

  • Maximilian Warntjen
Praxis konkret
  • 154 Downloads

Ärzte, denen ein Behandlungsfehler vorgeworfen wird, sollten kühlen Kopf bewahren und einige Grundregeln einhalten: Das richtige Verhalten im Ernstfall kann vor langwierigen juristischen Auseinandersetzungen schützen.

Wenn die Polizei Akten beschlagnahmt, heißt es kühlen Kopf bewahren!

© skynesher / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Immer wieder sehen sich Fachärzte Behandlungsfehlervorwürfen ausgesetzt. Entsprechend groß ist die Unsicherheit, wie man sich als Arzt bei derartigen Vorwürfen richtig verhält. Dabei gilt: Wer überlegt agiert und die klassischen „Fehler nach dem Fehler“ vermeidet, ist für juristische Auseinandersetzungen gut gewappnet oder kann sich diese sogar ganz ersparen.

Check der Dokumentation

Sowohl im zivilrechtlichen Schadensersatzprozess, als auch im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren hat die ärztliche Dokumentation regelmäßig große Bedeutung. Wird vergessen, einen dokumentationspflichtigen Umstand zu erwähnen, kommt es im Zivilverfahren beispielsweise zur Beweislastumkehr: Während sonst der Patient beweispflichtig ist, muss nun der Arzt nachweisen, dass eine bestimmte Behandlungsmaßnahme durchgeführt wurde.

Ist eine Komplikation eingetreten oder werden Behandlungsfehlervorwürfe erhoben, sollte deshalb schnellstmöglich überprüft werden, ob die Dokumentation vollständig ist. Dies gilt gleichermaßen für die traditionelle Karteikarte wie für die elektronisch geführte Patientenakte. Wichtig ist, dass Nachträge als solche erkennbar sind, indem das aktuelle Datum der Ergänzung notiert wird. Ansonsten droht eine Strafbarkeit wegen Urkundenfälschung! Wer sich noch besser vorbereiten will, wird ein eigenes Gedächtnisprotokoll anfertigen, das getrennt von den Behandlungsunterlagen aufbewahrt wird.

Kommunizieren — was und wem?

Besondere Bedeutung nach einem unerwünschten Ereignis kommt der Kommunikation mit dem Patienten zu. Wer sich hierfür ausreichend Zeit nimmt und einfühlsam zu erläutern vermag, warum ein Behandlungsziel nicht erreicht werden konnte oder warum sich ein Komplikationsrisiko realisiert hat, kann auf Verständnis hoffen und sich womöglich langwierige juristische Auseinandersetzungen ersparen.

Trotzdem ist jedes Schadenereignis unverzüglich an die Haftpflichtversicherung zu melden. Dies gilt unabhängig davon, ob der Arzt ein eigenes Fehlverhalten ausschließen kann. Ebenso ist es unerheblich, ob von Patientenseite bereits Vorwürfe erhoben wurden oder gar ein rechtsanwaltliches Anspruchsschreiben vorliegt.

Jegliche Korrespondenz mit dem Patienten beziehungsweise dessen Anwalt ist dem Versicherer zu überlassen. Wird die Versicherung nicht rechtzeitig informiert, kann der Versicherungsschutz gefährdet sein.

Wenn dem Arzt eine zivilrechtliche Klage zugestellt wird, muss diese unverzüglich an die Versicherung oder den Anwalt weitergeleitet werden, denn es laufen Fristen, die unbedingt beachtet werden müssen.

Verhalten bei Beschlagnahmen

Wird im Zusammenhang mit möglichen Behandlungsfehlern doch strafrechtlich ermittelt (fahrlässige Körperverletzung oder Tötung), droht eine Beschlagnahme der Patientenunterlagen.

Doch auch wenn die Kriminalpolizei mit einem Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss vor der Praxis- oder Kliniktür steht, heißt es, kühlen Kopf zu bewahren: Den Beamten ist höflich zu begegnen und die im Beschluss bezeichneten Unterlagen sollten herausgegeben werden. Die ärztliche Schweigepflicht steht dem nicht entgegen. Auf diese Weise verhindert man eine aufwendige Durchsuchung der ganzen Praxis oder Krankenhausabteilung.

Auch wenn es schwerfällt und man gerade unberechtigte Vorwürfe am liebsten sofort widerlegen will — in dieser Situation ist der Arzt gut beraten, von seinem Schweigerecht Gebrauch zu machen.

Dies gilt übrigens auch für vermeintlich informelle Gespräche am Rande mit den Beamten, die über Aktenvermerke regelmäßig Eingang in die Ermittlungsunterlagen finden und die Verteidigung ungemein erschweren können.

Die Erfahrung lehrt, dass eine gut vorbereitete schriftliche Stellungnahme zu den Vorwürfen — nach vorheriger Akteneinsicht — viel eher dazu geeignet ist, den Staatsanwalt davon zu überzeugen, das Verfahren einzustellen.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Maximilian Warntjen
    • 1
  1. 1.D+B Rechtsanwälte Partnerschaft mbBBerlinDeutschland

Personalised recommendations