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gynäkologie + geburtshilfe

, Volume 23, Supplement 1, pp 16–16 | Cite as

HPV-Prävalenz durch Impfprogramm erheblich reduziert

  • Tino F. Schwarz
Literatur kompakt
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Das HPV-Impfprogramm im Vereinigten Königreich belegt die hohe Wirksamkeit der bivalenten HPV-16/18-Vakzine. Dies lässt sich am Rückgang der Prävalenz von HPV-16/18 sowie HPV-31/33/45 bei Mädchen und jungen Frauen messen. Hierdurch wird es in den nächsten Jahren zu einem deutlichen Rückgang HPV-assoziierter Neoplasien kommen.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Im Vereinigten Königreich startete das Impfprogramm gegen humane Papillomviren (HPV) im Jahr 2008. Um eine hohe Beteiligung der Zielpopulation zu erreichen, wurde ein Schulimpfprogramm implementiert. Hierbei erhielten Mädchen im Alter von zwölf bis 13 Jahren die bivalente HPV-16/18-Vakzine. Zugleich wurde Mädchen bis zum 18. Lebensjahr eine Nachholimpfung angeboten. 2012 wurde auf die quadrivalente HPV-6/11/16/18-Vakzine umgestiegen. Die Beteiligung am Impfprogramm war bei den Zwölf- bis 13-Jährigen mit über 80 % hoch. In den Catch-up-Kohorten wurden 39–76 % der Mädchen geimpft.

Die Beteiligung am Schulimpfprogramm lag bei über 80 %.

© Steve Debenport / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Wegen der Zeitspanne für die Entstehung eines Tumors wird die Zervixkarzinominzidenz erst in einigen Jahren messbar abnehmen. Aus diesem Grund gilt die reduzierte Prävalenz einer HPV-Infektion als Indikator für die Effektivität der Impfung.

Überwacht wurde die HPV-Prävalenz mithilfe der Vulva-/Vaginal-Abstriche, die im Rahmen des Screeningprogramms für Chlamydien gesammelt wurden: Abstriche von 16- bis 24-Jährigen aus den Jahren 2010 bis 2016 wurden auf HPV-DNA untersucht. Insgesamt wurden 15.459 Proben hinsichtlich des HPV-Status ausgewertet. Die Prävalenz von HPV-16/18 sank bei 16- bis 18-Jährigen von 2010/2011 bis 2016 von 8,2 % auf 1,6 % und bei 19- bis 21-Jährigen von 14,0 % auf 1,6 %. Ein Effekt ließ sich ebenfalls für den durch die Kreuzprotektion der bivalenten Vakzine induzierten Schutz vor HPV-31/33/45 messen. So ging die Prävalenz bei 16- bis 18-Jährigen bis 2016 von 6,5 % auf 0,6 % zurück und bei 19- bis 21-Jährigen von 8,6 % auf 2,6 %. Die Effektivität der Vakzine betrug 82,0 % (95 %-Konfidenzintervall [KI] 60,6–91,8 %) für HPV-16/18 und 48,7 % (95 %-KI 20,8–66,8 %) für HPV-31/33/45. Für andere onkogene HPV-Genotypen konnte keine Veränderung der Prävalenz seit Beginn des Impfprogramms festgestellt werden.

Die Surveillance der HPV-Prävalenz bestätigt somit den erheblichen Rückgang der im Impfstoff enthaltenen HPV-Genotypen sowie den Effekt der Kreuzprotektion.

Kommentar

Über die Jahre nahm die Prävalenz von HPV-16/18 durch den bivalenten HPV-Impfstoff erheblich ab. Bemerkenswert ist auch, dass die Persistenz der Kreuzprotektion gegen HPV-31/33/45 über inzwischen mehr als sechs Jahre bestätigt wurde. Durch die hohe Beteiligung am Impfprogramm wird sich die Inzidenz von HPV-assoziierten Neoplasien in den nächsten Jahren deutlich reduzieren. In Anbetracht der hohen Impfrate ist von einer erheblichen Herdenimmunität auszugehen. Daher werden auch heterosexuelle Männer vom Erfolg der Mädchenimpfung profitieren.

Prof. Tino F. Schwarz

Literatur

  1. Mesher D et al. The impact of the National HPV vaccination program in England using the bivalent HPV vaccine: surveillance of type-specific HPV in young females, 2010–2016. J Infect Dis. 2018;218:911–21CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Tino F. Schwarz
    • 1
  1. 1.Institut für Labormedizin und Impfzentrum, Klinikum Würzburg MitteStandort JuliusspitalWürzburgDeutschland

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