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hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 6, pp 52–52 | Cite as

Infektionsrisiko

Wundversorgung nach Hundebiss

  • Christian Eckmann
Medizin aktuell consilium Dermatologie
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© style-photography.de / Fotolia.com

Frage: Ist bei der primären Wundversorgung nach Hundebiss- oder Kratzverletzungen im Gesicht hinsichtlich der Infektiosität oder aus kosmetischen Beweggründen zwischen Kleben und Nähen der Wunde zu unterscheiden?

Expertenantwort: Bissverletzungen und tiefe Kratzverletzungen als Sonderform der Haut- und Weichgewebeinfektionen haben ein hohes Infektionsrisiko. Auch auf den ersten Blick banale Bissverletzungen dürfen nicht unterschätzt werden, da das Ausmaß durch die manchmal relativ kleinen Läsionen an der Hautoberfläche verschleiert werden kann.

Für die Einteilung in Schweregrade von Bissverletzungen wurde folgender Vorschlag unterbreitet:
  • Grad I: oberflächliche Hautläsion, Bisskanal, Riss, Kratz- oder Quetschwunde

  • Grad II: Hautwunde, bis zur Faszie/Muskulatur/Knorpel reichend

  • Grad III: Wunde mit Gewebsnekrose oder Substanzdefekt

Bissverletzungen sind oft polymikrobiell besiedelt. Bei den am häufigsten auftretenden Katzen- und Hundebissen handelt es sich meist um aerob-anaerobe Mischinfektionen unter Beteiligung von Pasteurella multocida, Capnocytophaga spp., Bartonella spp., Staphylococcus aureus sowie gegebenenfalls Anaerobier. Zur Therapie von Bisswunden ist ein multidisziplinäres Herangehen erforderlich. Sinnvoll ist folgendes Vorgehen:

Bei allen Bissverletzungen muss der Impfstatus für Tetanus überprüft werden und das Risiko einer Tollwutinfektion eruiert werden.

Ein optimales chirurgisches Management hat eine elementare Bedeutung, bestehend aus intensiver Wundexploration, mechanischer Reduktion der Erregerzahl sowie chirurgischer Exploration bis zur Faszie. Kontrovers diskutiert wird der Einsatz von Wundspülungen zur mechanischen Reinigung und Erregerreduktion von Bisswunden.

Die Unterscheidung zwischen nicht infizierten und infizierten Bisswunden ist wichtig, weil infizierte nicht primär verschlossen werden sollten. Ein primärer Wundverschluss wird auch bei „nur“ kolonisierten Wunden nicht empfohlen. Eine mögliche Ausnahme sind Bisswunden im Gesicht, um die es in der vorliegenden Frage geht. Einige Autoren empfehlen, die Wunde zwei bis drei Tage offen zu lassen und berichten von guten kosmetischen Ergebnissen bei verzögertem Wundverschluss.

Wenn man die Wunde verschließt, sollte eine Antibiotikaprophylaxe (z. B. Aminopenicillin plus β-Laktamase-Inhibitor) durchgeführt werden. Ob Antibiotika 24 Stunden oder drei bis fünf Tage gegeben werden sollten, ist derzeit nicht seriös zu beantworten. Bei Patienten ohne wesentliche, infektiologisch relevante Komorbidtät ist eine Kurzzeitprophylaxe sehr wahrscheinlich ausreichend.

Für die Verwendung verschiedener Verschlusstechniken (Naht, Kleber) nach Bissverletzungen im Gesicht liegen keine gesicherten vergleichenden Daten vor.

Es gibt eine Cochrane-Analyse, die die primäre Hautnaht mit der Verwendung eines Hautklebers in der elektiven Allgemeinchirurgie analysiert hat. Hierbei zeigte sich bei insgesamt niedriger Qualität der eingeschlossenen Studien kein Unterschied zwischen den Vergleichsgruppen bezüglich der Parameter Wundinfektion, Patientenzufriedenheit und Kosten. Allerdings war die Verwendung des Hautklebers mit einer signifikant erhöhten Rate an Wunddehiszenzen assoziiert.

Höherwertige Evidenz ist abzusehen: Die Rekrutierungsphase einer kontrollierten randomisierten Studien, die verschiedene Methoden des Hautverschlusses nach abdominellen Operationen vergleicht und hierbei die Verwendung des Hautklebers als Behandlungsarm mit einschließt, läuft derzeit.

Zusammenfassend sollte man bei der Wundversorgung von frischen Kratz- und Bissverletzungen im Gesicht chirurgisch sehr exakt vorgehen und die Wunde tief explorieren. Ein infektiologischer Nachteil durch einen Wundverschluss mit Hautklebern im Vergleich zu Hautnähten ist nicht belegt. Die Anwendung des Hautklebers setzt allerdings eine entsprechende Expertise voraus, da die kosmetischen Ergebnisse des Wundverschlusses mit Hautkleber in einer Cochrane-Analyse der Hautnaht unterlegen waren. Am ehesten dürften aus chirurgischer Sicht daher für den Hautkleber kurze Läsionen in Frage kommen, die nicht unter Spannung stehen und leicht zu adaptieren sind.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Christian Eckmann
    • 1
  1. 1.Klinik für Allgemein-, Viszeral- ,Thorax- und Minimal-Invasive ChirurgieKlinikum PeinePeineDeutschland

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