Advertisement

hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 6, pp 25–25 | Cite as

Die atopische Dermatitis kommt selten allein

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
  • 36 Downloads

In Deutschland hat es bisher keine größere Untersuchung dazu gegeben, mit welchen dermatologischen Komorbiditäten Neurodermitis assoziiert ist. Eine großangelegte Querschnittsstudie schafft nun Abhilfe.

Forscher des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben in einer Querschnittsstudie Daten von fast 120.000 Erwachsenen ausgewertet. Diese waren zwischen 2006 und 2017 von Dermatologen gründlich untersucht worden, um erstmals robuste Daten zur dermatologischen Komorbidität bei atopischer Dermatitis zu erhalten. Dabei wurden die Prävalenz zum Zeitpunkt der Untersuchung sowie anamnestische Angaben der Studienteilnehmer berücksichtigt.

Demnach lag die Neurodermitisprävalenz in der Studiengruppe bei 1,45 %. Sie war umso niedriger, je älter die Teilnehmer (maximal 70 Jahre) waren. Wurden die Teilnehmer befragt, ob sie jemals eine Neurodermitis hatten, betrug die Prävalenz knapp 5 %. Eine atopische Dermatitis war mit einer ganzen Reihe von Dermatosen unterschiedlich stark assoziiert. Die Patienten hatten im Vergleich zu Teilnehmern ohne Neurodermitis (Prävalenzverhältnis) vor allem zugleich auch Kontraktdermatitis (3,4 %), Handekzeme (4,6 %), Exsikkationsdermatitis (2,2 %), Follikulitis (2 %) oder ein Feuermal (1,5 %). Am häufigsten hatten die Atopiker eine Follikulitis mit einer Prävalenz von über 16 %. Bei anderen Hautkomorbiditäten war der Zusammenhang jeweils kaum erkennbar.

Schließlich errechneten die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit für die Komorbiditäten und berücksichtigten dabei Alter, Geschlecht und Hauttyp. Besonders hoch war sie für das Handekzem (Odds Ratio [OR]: 3,96). Ebenfalls erhöht war sie für Kontaktdermatitis (OR: 2,97) und Exsikkationsdermatitis (O: 1,78). Die Wahrscheinlichkeit jedoch, auch an Psoriasis zu erkranken, war um etwa 40 % niedriger. Die Auswertung der Studiendaten bestätigte außerdem die Koexistenz von Neurodermitis mit allergischem Asthma und allergischer Rhinokonjunktivitis.

Fazit: Patienten mit atopischer Dermatitis haben oft auch andere Dermatosen, allen voran Kontaktdermatitis und Handekzeme. Zwar sei der Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Feuermalen bisher seltener beschrieben worden, wie auch die negative Assoziation mit Psoriasis, so die Wissenschaftler. Aufgrund der großen Kohorte gehen sie davon aus, dass die Zusammenhänge der Realität entsprechen. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, bei Neurodermitikern verstärkt auch auf dermatologische Komorbiditäten zu achten und dies auch in Aufklärungskampagnen zu betonen.

Literatur

  1. Zander N et al. Atopic dermatitis shows significant cutaneous comorbidity: results from large-scale investigations in the working population. J Eur Acad Dermatol Venereol 2019;   https://doi.org/10.1111/jdv.15792

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations