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hautnah dermatologie

, Volume 35, Issue 6, pp 18–18 | Cite as

Melanom: potenzielle Konkurrenz für die Breslow-Dicke

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Wie gut ist die prognostische Aussagekraft beim Melanom, wenn dessen Fläche berechnet und nicht die Breslow-Dicke bestimmt wird? Das haben britische Dermatologen untersucht.

Britische Ärzte haben untersucht, welche prognostische Bedeutung einer berechneten Melanomfläche anhand des krebsspezifischen Überlebens zukommen könnte. Hierzu standen die histologischen Proben von 1.239 Patienten aus zwei Kliniken in Leicester und Nottingham zur Verfügung. Bestimmt wurde jeweils anhand der invasiven Krebszellen eine Querschnittsfläche des Melanoms, ausgehend von dem Abschnitt der Probe mit der am tiefsten liegenden Melanomzelle. Zur Entwicklung der Methode wurden die Befunde der Patienten von Leicester verwendet, für die interne Validierung die der Patienten aus Nottingham. Die vorhandenen Präparate wurden je nach Fläche in zehn Gruppen eingeteilt. Die sechs Gruppen mit einer Fläche von maximal 2,4 mm2 wurden als Niedrig-Risiko-Gruppen identifiziert. Das Risiko stieg mit der Fläche und war am höchsten in der Gruppe 10 mit mehr als 27,6 mm2.

Aus den Cox-Regressionsanalysen geht hervor, dass die berechnete Melanomfläche ein unabhängiger Prognosefaktor ist. Die Ärzte hatten bei der Analyse eine Reihe von möglicherweise verzerrenden Faktoren berücksichtigt, etwa Breslow-Dicke, Alter, Geschlecht sowie Ulzerationen und Nachweis von mikroskopisch nachweisbaren Satelliten. Auf Basis der Leicester-Daten wurde eine Hazard Ratio (HR) von 1,87 errechnet (95%-Konfidenzintervall: 1,49–2,34; p < 0,001). Die Validierung anhand der Nottingham-Daten ergab einen Wert von 1,55 (95%-Konfidenzintervall; 1,15–2,09; p < 0,005), wodurch die prognostische Bedeutung der Melanomfläche bestätigt wurde. Damit erwies sich die Melanomfläche als der gewichtigste Prognosefaktor.

Der prognostische Wert der Breslow-Dicke ging völlig verloren, wenn für die berechnete Melanomfläche adjustiert wurde (HR 0,95). Ohne den Parameter Fläche in der Regressionsanalyse war er jedoch signifikant. Die Autoren schließen daraus, dass die berechnete Fläche die Prognose eines Melanoms besser erfasst als die Breslow-Dicke mit den Stadien I (≤ 1,0 mm) bis IV (≥ 4 mm). Je größer die berechnete Melanomfläche schließlich war, umso geringer war die melanomspezifische Überlebenswahrscheinlichkeit. Sie betrug in der Gruppe 10 nach einem Follow-up von 160 Monaten nur noch etwa 30 %.

Fazit: Die Studie liefert Hinweise, dass sich allein anhand der berechneten Melanomfläche die krebsspezifische Prognose genauer ermitteln lässt als mit der Breslow-Dickenmessung.

Die Methode muss jedoch noch extern validiert werden. Unklar ist, wie sie in die klinische Versorgung eingebunden werden kann. Den Erfahrungen der britischen Ärzte zufolge ist die Berechnung der Melanomfläche gut praktisch umzusetzen, weil die Messung rasch vorgenommen sei.

Literatur

  1. Saldanha G, et al. Development and Initial Validation of Calculated Tumor Area as a Prognostic Tool in Cutaneous Malignant Melanoma. JAMA Dermatol. 2019;  https://doi.org/10.1001/jamadermatol.2019.0621

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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