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hautnah dermatologie

, Volume 34, Issue 6, pp 51–51 | Cite as

Personalisierte Prävention allergischer Erkrankungen

  • Kathrin von Kieseritzky
Medizin aktuell
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Die Prävention allergischer Erkrankungen wird laut Prof. Kirsten Beyer, Berlin, dadurch erschwert, dass allergische Erkrankungen prinzipiell multifaktorielle Ursachen haben. Voraussetzungen für eine personalisierte Prävention sind demnach zum einen Biomarker, zum anderen muss der jeweiligen allergischen Erkrankung überhaupt vorgebeugt werden können.

In einer aktuellen Studie wurde ein Zusammenhang zwischen dem frühkindlichen Darmmikrobiom und einer Hühnereiallergie nachgewiesen [Fazlollahi M et al. Allergy. 2018; 73: 1515–24]. Eine weitere Studie zeigte, dass sich die analen und dermalen Mikrobiota von Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, erheblich von denjenigen Kindern unterscheiden, die vaginal zur Welt kamen. Sie können durch den Transfer des Vaginalmikrobioms der Mutter verändert werden [Dominguez-Bello MG et al. Nat Med. 2016; 22: 250–3].

Eine Störung der Hautbarriere am zweiten Lebenstag sagt die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie bis zum zweiten Lebensjahr voraus. Dieser Befund unterstützt die Hypothese einer transkutanen Allergensensibilisierung auch bei Kindern, die keine atopische Dermatitis haben [Kelleher MM et al. J Allergy Clin Immunol. 2016; 137: 1111–6]. Durch das Auftragen einer Hautpflegecreme in den ersten 32 Lebenswochen reduziert sich das Risiko für die Ekzementwicklung, die eine transkutane Allergensensibilisierung befördert [Horimukai K et al. J Allergy Clin Immunol. 2014; 134: 824–30].

Präventive Maßnahmen gegen eine Erdnussallergie müssen einer neuen Studie zufolge innerhalb des ersten Lebensjahres ergriffen werden. Im Alter von sieben Jahren hatten am seltensten diejenigen Kinder eine Sensibilisierung auf Erdnüsse, deren Mütter während der Stillzeit erdnusshaltige Produkte verzehrt hatten und die selbst bereits im ersten Lebensjahr in der Beikost damit gefüttert wurden. Die Prävention der Hühnereiallergie bei Kindern mit Ekzem beziehungsweise Neurodermitis ist hingegen bereits sehr früh — im vierten bis fünften Lebensmonat — indiziert, da sich die Hühnereiallergie schon mit vier bis sechs Monaten ausprägt [Natsume O et al. Lancet. 2017; 389: 276–86].

Wie sieht nun die personalisierte Prävention konkret bei einem Neugeborenen aus, das im Jahr 2030 per Sectio entbunden wird und ein erhöhtes Allergierisiko hat, weil eine Filaggrin(FLG)-Mutation sowie eine Störung der Hautbarriere (erhöhte TEWL-Werte) im Screening nachgewiesen werden? Beyer wagte eine Vorhersage: Direkt nach der Entbindung wird vaginales Sekret kutan und oral auf das Kind übertragen. In den ersten 32 Lebenswochen wird eine präventive Therapie mit einer Hautpflegecreme durchgeführt. Der Säugling erhält eine Spezialnahrung mit Synbiotika zur Optimierung des Mikrobioms. Ab dem fünften Lebensmonat wird eine präventive orale Immuntherapie mit den häufigsten Nahrungsmittelallergenen begonnen.

Literatur

  1. PINA-Symposium: Wie sehen Prävention und Therapie allergischer Erkrankungen 2030 aus?Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Kathrin von Kieseritzky
    • 1
  1. 1.

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