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Allergo Journal

, Volume 28, Issue 8, pp 10–10 | Cite as

Beeinflusst die Verarbeitung das Allergiepotenzial von Milch?

  • Angelika Bauer-Delto
Literatur kompakt
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Pasteurisieren und Homogenisieren von Kuhmilch könnten auch Nachteile haben: Daten aus dem Tiermodell und Provokationstests bei Kindern zeigen, dass Rohmilch ein geringeres Sensibilisierungspotenzial hat und von Allergikern besser vertragen wird als verarbeitete Milch.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Heute wird Kuhmilch in der Regel industriell aufbereitet, um die Haltbarkeit zu verlängern und eine Belastung mit Krankheitserregern auszuschließen. Doch das Pasteurisieren verändert hitzesensible Komponenten wie Proteine, das Homogenisieren modifiziert zudem die Struktur des Milchfetts und könnte so die Allergenpräsentation beeinflussen.

Pasteurisierte Milch hat offenbar ein höheres Allergiepotenzial als Rohmilch.

© anshuca / Fotolia

Ob die Verarbeitung von Kuhmilch Auswirkungen auf das Allergiepotenzial hat, wurde bislang wenig untersucht. Jetzt wurde in einem Mausmodell für Nahrungsmittelallergien das Allergiepotenzial von Rohmilch mit dem von verarbeiteter Milch verglichen: Mäuse wurden entweder gegen Rohmilch, erhitzte Rohmilch oder handelsübliche, industriell aufbereitete Milch sensibilisiert und anschließend mit Kuhmilchprotein provoziert. Zudem wurden Mäuse gegen Molke sensibilisiert und damit provoziert.

Das Ergebnis: Mäuse, die gegen Rohmilch sensibilisiert waren, zeigten bei einer intradermalen Provokation weniger allergische Reaktionen als Mäuse, die gegen verarbeitete Milch sensibilisiert waren. Darüber hinaus waren die spezifischen IgE-Spiegel und Th2-Konzentrationen bei Rohmilch-sensibilisierten Mäusen signifikant niedriger. Mäuse, die gegen native Molkeproteine sensibilisiert waren, entwickelten bei der Provokation mit Molkeproteinen ebenfalls geringere allergische Symptome als Mäuse mit einer Sensibilisierung gegen erhitzte Molkeproteine.

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Pilotstudie ergaben Provokationstests darüber hinaus, dass Kinder mit Kuhmilchallergie bis zu 50 ml Rohmilch, dagegen nur durchschnittlich 8,6 (± 5,3) ml handelsübliche Milch vertrugen.

Fazit: Präklinische Daten und eine Proof-of-Concept-Pilotstudie bei Kindern zeigen, dass Verarbeitungsprozesse das Allergiepotenzial von Kuhmilch ungünstig beeinflussen: Handelsübliche Milch und erhitzte Molke haben im Vergleich zu Rohmilch ein höheres Sensibilisierungspotenzial und rufen stärker ausgeprägte allergische Reaktionen hervor.

Literatur

  1. Abbring S et al. Milk processing increases the allergenicity of cow’s milk — Preclinical evidence supported by a human proof-of-concept provocation pilot. Clin Exp Allergy 2019;49:1013–25CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Angelika Bauer-Delto
    • 1
  1. 1.

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