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Allergo Journal

, Volume 28, Issue 1, pp 3–3 | Cite as

Bedenkliche Entwicklung zur MWBO Allergologie

  • Springer Medizin
Editorial
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„Der Zusatztitel Allergologie muss mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung gekoppelt sein — alles andere wäre Etikettenschwindel!“

Prof. Dr. Thilo Jakob, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen

Prof. Dr. Thomas Werfel, DGAKI-Präsident, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover

In einer erstaunlichen Art und Weise wurde auf dem Deutschen Ärztetag 2018 ein kurzfristig eingereichter Antrag ohne vertiefende Diskussion angenommen, der eine rein berufsbegleitende Weiterbildung im Fach Allergologie vorsieht. Der Antrag wich von der konsentierten Version der Weiterbildungskommission der Landesärztekammern deutlich ab, die noch kurz vor dem Ärztetag 2018 ein Konzept mit Pflichtweiterbildungszeiten zur Erlangung des Zusatztitels Allergologie befürwortet hatten. Der Antrag war mit keiner Fachgesellschaft abgesprochen und widersprach explizit dem von der DGAKI als federführender Fachgesellschaft zusammen mit allen an der Allergologie beteiligten Gesellschaften eng abgestimmten Entwurf einer neuen Musterweiterbildungsordnung (MWBO) Allergologie. Die Missachtung gemeinsamer Vorschläge und Beschlüsse setzte sich nun fort: Trotz Appell von DGAKI, AeDA, GPA, DDG, DGP und BVDD an die Bundesärztekammer, inne zu halten und die Umsetzbarkeit und Konsequenzen der Beschlüsse zu bedenken, hat die Bundesärztekammer im November 2018 einen Entwurf zur inhaltlichen Ausgestaltung der MWBO durchgewunken, der wiederum mit keiner der genannten Fachgesellschaften abgesprochen war. Dieser neue, nun beschlossene Katalog der MWBO Allergologie reduziert die Inhalte sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht enorm: So wird beispielsweise die Mindestweiterbildungszeit von bisher 18 Monaten auf Null gesetzt. Zudem werden die mit Richtzahlen assoziierten Prozeduren auf drei (Hauttestungen, fachgebundene Provokationstestungen sowie Einleitung einer Hyposensibilisierung) und die Richtzahlen bei diesen letzten drei verbliebenen Prozeduren um mehr als 50 % reduziert!

Angesichts des drohenden Qualitätsverlustes bei der Versorgung der Allergiepatienten sind weiterhin Gegenmaßnahmen zur MWBO geplant. So wird die DGAKI zusammen mit anderen medizinischen Fachgesellschaften Kräfte bündeln, damit der Beschluss des Ärztetages in dieser Form in möglichst vielen Bundesländern nicht umgesetzt und auf dem nächsten Ärztetag möglichst revidiert wird. Auch wird die DGAKI selbst das bereits existierende curriculare Weiter- und Fortbildungskonzept „Allergologie kompakt“ auf hohem Niveau ausbauen und verstetigen. Der Zusatztitel Allergologie muss mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung gekoppelt sein — alles andere wäre Etikettenschwindel!

Gute Fortbildung finden Sie wie immer auch im Allergo Journal — so zum Beispiel das CME-Modul der aktuellen Ausgabe: die neue AWMF-Leitlinie „Hereditäres Angioödem durch C1-Inhibitor-Mangel“ von Prof. Bork und Kollegen (Seite 31). Als Update der letzten Version werden aktuelle Entwicklungen und Publikationen der letzten sechs Jahre berücksichtigt. Eine lohnende Lektüre, da sich auf diesem Gebiet wirklich viel getan hat. Ebenso lesenswert ist die Originalarbeit von Bölke et al, die bei Omalizumab-Therapie des schweren Asthmas der praktischen Fragestellung nachgeht, ob man bei erreichter Krankheitskontrolle eher die Dosis reduzieren oder das Intervall verlängern sollte. Das eindeutige Ergebnis dieser Studie finden Sie ab Seite 12 in der deutschen Zusammenfassung und ab Seite 16 in der englischen Originalarbeit. Derartige Untersuchungen sind deshalb so wichtig, da sie uns helfen, die Therapie sinnvoll und wirtschaftlich anzupassen. Passend zur aktuellen Diskussion um die Gesundheitsauswirkungen von Luftschadstoffen beurteilt Prof. Joachim Heinrich kritisch die Evidenzlage für einen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Allergieentstehung (Seite 20).

Viel Freude bei der Lektüre wünschen

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