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Allergo Journal

, Volume 27, Issue 6, pp 16–16 | Cite as

AIT bei Erdnussallergie: per os oder sublingual?

  • Beate Schumacher
  • Thilo Jakob
Literatur kompakt

Zur Behandlung von Erdnussallergien sind sowohl orale als auch sublinguale Immuntherapien Erfolg versprechend. Eine Bestandsaufnahme.

In den USA ist bereits eines von 50 Kindern allergisch gegen Erdnüsse. Da eine strikte Vermeidung von Erdnüssen schwer umzusetzen und mit erheblichen Ängsten und Risiken verbunden sein kann, wird seit gut zehn Jahren die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie geprüft. Dabei haben sich orale (OIT) und sublinguale (SLIT) Immuntherapien als aussichtsreich erwiesen. Ärzte der Stanford University haben die Datenlage zu beiden Ansätzen zusammengefasst.

Die OIT ist besonders gut untersucht, im Jahr 2011 erstmals in einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) mit doppelter Verblindung: Kinder, die die angestrebte Erhaltungsdosis erreichten (4.000 mg/d Erdnussprotein; eine Erdnuss enthält etwa 240 mg), bestanden den Provokationstest mit 5.000 mg Erdnussprotein; Patienten der Placebogruppe tolerierten nur 280 mg Erdnussprotein. Weitere randomisierte Studien mit anderen Protokollen und Dosierungen kamen zu ähnlich positiven Ergebnissen. Im Jahr 2014 wurde erstmals gezeigt, dass die therapieinduzierte Toleranz bei einem Teil der Patienten über das Ende der Erdnuss-OIT erhalten bleibt.

Wenn längere Zeit auf Erdnüsse verzichtet wird, kann es jedoch erneut zu einer Sensibilisierung kommen. Einer RCT zufolge wird der Toleranzverlust durch eine Kotherapie mit Probiotika möglicherweise hinausgezögert. Als Adjuvans zur OIT wird auch Omalizumab erprobt. Nach einer mehrwöchigen Vorbehandlung mit dem Anti-IgE-Antikörper konnte mit höheren Dosierungen Erdnussprotein eingestiegen und die Dauer der Desensibilisierung daher stark verkürzt werden.

Zur SLIT, bei der wesentlich geringere Mengen an Erdnussprotein eingesetzt werden, gibt es nur wenige Studien: Sie belegen ebenfalls einen beträchtlichen Anstieg der Toleranzschwelle, bei gleichzeitig gutem Sicherheitsprofil. Allerdings ging eine mehrwöchige Therapiepause bei den meisten Patienten mit einem Toleranzverlust einher.

Im retrospektiven Vergleich der beiden Strategien wurde der OIT eine bessere Wirksamkeit bei schlechterer Verträglichkeit attestiert. Ein direkter Vergleich bestätigt diese Einschätzung: Mit der OIT (Erhaltungsdosis 2.000 mg) wurde die Toleranzschwelle auf das 140-Fache erhöht, mit SLIT (Erhaltungsdosis 3,7 mg) nur auf das 20-Fache. Dafür traten Nebenwirkungen, inklusive mittelschwerer Reaktionen, die eine Therapie erforderten oder zum Behandlungsabbruch führten, bei der OIT häufiger auf.

Kommentar

In kaum einem Land ist das Thema Erdnussallergie so präsent wie in den USA und in kaum einem anderen Land wird so intensiv an unterschiedlichen Wegen (oral, sublingual, epikutan) zur Toleranzinduktion geforscht. Gerade deshalb freut es uns, dass es uns gelungen ist Kari Nadeau und ihr Team von der University of Stanford zu überzeigen, für unsere Leser einen Vergleich der sublingualen und der oralen Immuntherapie zu verfassen. Kurz und präzise werden die wesentlichen Studien zusammengefasst und bewertet. Lesen Sie selbst, wie der Vergleich ausgegangen ist.

Prof. Dr. Thilo Jakob

Literatur

  1. Zhang W et al. Comparison of sublingual immunotherapy and oral immunotherapy in peanut allergy. Allergo J Int 2018;27:153–61CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Beate Schumacher
    • 1
  • Thilo Jakob
    • 2
  1. 1.
  2. 2.Klinik für Dermatologie und AllergologieUniversitätsklinikum Gießen u. MarburgGießenDeutschland

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