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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 20, pp 39–39 | Cite as

Betablocker helfen bei Leberzirrhose

  • M. Kleefisch
  • C. Lange
  • H. Wedemeyer
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Eine primärpräventive Therapie mit nicht selektiven Betablockern verbessert die Prognose von Patienten mit kompensierter Leberzirrhose und portaler Hypertension — und senkt sogar die Mortalität.

M. Kleefisch Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinikum Essen

_ In eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte, multizentrische Studie aus Spanien wurden 201 Patienten mit kompensierter Leberzirrhose und klinisch signifikanter portaler Hypertension (CSPH) eingeschlossen, die keine Risikovarizen aufwiesen. Wenn ihr Lebervenen-Druckgradient (HVPG) auf intravenöses Propranolol ansprach, erhielten sie bis zu 320 mg/d Propranolol oder Placebo. Wenn nicht, bekamen sie bis zu 25 mg/d Carvedilol oder Placebo. Die primären Endpunkte waren das Auftreten der ersten Dekompensation — Aszites, Ikterus, hepatische Enzephalopathie oder Ösophagusvarizenblutung — und der Tod.

Unter einem Betablocker traten die Endpunkte signifikant seltener auf als in der Placebogruppe (16% vs. 27%; Hazard Ratio: 0,51; 95%-Konfidenzintervall: 0,26–0,97). Grund war v. a. ein selteneres Auftreten von Aszites. Deutlich traten die positiven Effekte erst nach ca. 24 Monaten Therapie zutage.

Der mittlere HVPG lag in jährlichen Kontrollmessungen in den Betablocker-Gruppen im Mittel 11% unter dem Initialwert — signifikant niedriger als in den Placebogruppen. Carvedilol führte im Mittel zu einem stärkeren Abfall als Propranolol, obwohl es den Propranolol-Non-Respondern verabreicht wurde.

© AlexLMX / Getty Images / iStock

Unter Carvedilol war die Risikoreduktion des Auftretens von Aszites signifikant höher als unter Propranolol, die Mortalität signifikant niedriger.

KOMMENTAR

Die Ergebnisse sprechen für eine Erweiterung der Indikation zur Primärprävention mit Betablockern bei Leberzirrhose, die bisher nur bei großen Ösophagusvarizen sowie bei kleinen Varizen und einem Zirrhosestadium Child-Pugh C empfohlen wurde. Die Ergebnisse stützen auch die Annahme, dass ein erhöhter HVPG ein entscheidender Faktor in der Genese der Dekompensation ist, insbesondere eines Aszites. In der klinischen Praxis stellt sich allerdings die Frage, wie man CSPH-Patienten identifiziert, da routinemäßige HVPG-Messungen nur in wenigen Zentren angeboten werden.

Als pragmatischer Ansatz wäre aus unserer Sicht gerechtfertigt, Patienten mit Child-A-Zirrhose und kleinen Ösophagusvarizen, nicht jedoch Patienten ohne jegliche Ösophagusvarizen, prophylaktisch mit Propranolol oder Carvedilol zu behandeln. Die sehr hohe Propranolol-Dosierung von bis zu 320 mg/d wird erfahrungsgemäß im klinischen Alltag selten verabreicht. Da außerdem eine Überlegenheit von Carvedilol gezeigt wurde, erscheint die Therapie mit Carvedilol realistischer.

Literatur

  1. Villanueva et al. β blockers to prevent decompensation of cirrhosis in patients with clinically significant portal hypertension (PREDESCI): a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Lancet. 2019;393:1597–608CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • M. Kleefisch
    • 1
  • C. Lange
    • 1
  • H. Wedemeyer
    • 1
  1. 1.

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