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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 19, pp 36–36 | Cite as

Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zielwerte erleichtern (auch) die Kommunikation

  • Klaus G. Parhofer
FORTBILDUNG SCHWERPUNKT
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Prof. Dr. med. Klaus G. Parhofer

_ Häufig werden in der Medizin Grenzwerte definiert, um eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie zu steuern. Dies täuscht eine Dichotomie vor, die es so meist nicht gibt. Ein systolischer Blutdruck von 141 mmHg z. B. ist nur marginal höher als ein Blutdruck von 139 mmHg — und doch bedeutet er den Unterschied zwischen der Krankheit „Hypertonie“ und Gesundheit. Ähnliches gilt auch für Zielwerte. Hier zeigt sich ein häufiges Problem in der Medizin, dass nämlich kontinuierliche Parameter in nicht-kontinuierliches ärztliches Handeln (Diagnostik ja/nein; Therapie ja/nein) übersetzt werden müssen. So gibt es einen mehr oder weniger linearen (nicht stufenartigen) Zusammenhang zwischen LDL-Cholesterinkonzentration im Plasma und kardiovaskulären Erkrankungen. Therapeutisch muss jedoch „stufenartig“ vorgegangen werden, also an bestimmten Punkten entschieden werden, ob eine medikamentöse Therapie begonnen oder eskaliert wird. Diese Punkte unterliegen trotz aller Evidenz einer gewissen Willkür, wobei in die Auswahl des Zielwertes neben Studienergebnissen auch andere (v. a. ökonomische) Faktoren einfließen.

Zielwerte haben zu einer deutlichen Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität geführt.

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Ein weiteres Problem von Zielwerten ist, dass diese nur dann sinnvoll sind, wenn die Parameter hinreichend genau bestimmt werden können. Dies ist nicht immer der Fall. Zahlreiche Messparameter sind mit deutlichen Fehlern assoziiert (z. B. sehr niedrige LDL-Cholesterinwerte) oder wie beim Blutdruck von weiteren Umständen abhängig. Dennoch ist die Orientierung an Zielwerten oder an Grenzwerten hilfreich, da dies die Kommunikation mit den Patienten, aber auch unter Ärzten erleichtert und nachweisbar zu einer besseren Adhärenz führt.

Im vorliegenden Heft wird auf aus Herz-Kreislauf-Sicht relevante Zielwerte eingegangen, und es werden Neuentwicklungen diskutiert. So gilt bei Blutzucker- und Blutdruckeinstellung ein Zielkorridor, da zu niedrige Werte und zu hohe Werte mit erhöhter Morbidität und Mortalität assoziiert sind. Für das LDL-Cholesterin sind hingegen lediglich obere Grenzwerte definiert.

Gerade im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat die Definition und Propagierung von Zielwerten durch Fachgesellschaften dazu geführt, dass betroffene Patienten heute sehr viel besser und konsequenter behandelt sind als noch vor 20 Jahren. Erfreulicherweise hat dies auch zu einer deutlichen Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität geführt.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Klaus G. Parhofer
    • 1
  1. 1.Medizinische Klinik IV — GroßhadernKlinikum der Universität MünchenMünchenDeutschland

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