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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 19, pp 30–30 | Cite as

Inaktivität gefährdet Herz und Hirn

  • H. -C. Diener
FORTBILDUNG KRITISCH GELESEN
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Mit körperlicher Inaktivität steigt einer Metaanalyse zufolge das Risiko für kardiometabolische Erkrankungen und für Demenz — letzteres allerdings nur in den ersten zehn Jahren. Was ist da los?

Prof. Dr. med. H.-C. Diener Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen

_ In die Metaanalyse gingen 19 prospektive Kohortenstudien mit insgesamt 404.840 Personen ein, für die Informationen sowohl zur körperlichen Aktivität als auch zu den Krankheiten Demenz, Alzheimer, Diabetes, KHK und Schlaganfall vorlagen. Die Teilnehmer waren bei Studienbeginn im Mittel 45 Jahre alt und hatten keine Demenz. Der Frauenanteil lag bei 58%. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 15 Jahre. 40% der Studienteilnehmer beschrieben sich selbst als körperlich inaktiv.

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© Fertnig / Getty Images / iStock

In den ersten zehn Jahre der Beobachtung war das Risiko für demenzielle Erkrankungen bei den Inaktiven erhöht, mit Odds Ratios (OR) von 1,40 für für Demenz (95%-Konfidenzintervall: 1,23–1,17) und 1,36 (1,12–1,65) für die Alzheimererkrankung. Wurden allerdings längere Zeiträume betrachtet, sank die OR auf 1,01 bzw. 0,96.

Körperliche Inaktivität war über den gesamten Studienzeitraum mit dem Neuauftreten eines Diabetes (OR 1,42), einer KHK (OR 1,24) und mit Schlaganfall (OR 1,16) assoziiert. Wer vor der Demenz eine kardiometabolische Erkrankung entwickelte, bei dem war Inaktivität nicht mit einer Demenz assoziiert.

KOMMENTAR

Die Studie hat große Aufmerksamkeit in der Presse gefunden. Leider wurde sie oft auf die vermeintliche Aussage kondensiert, dass körperliche Aktivität eine Demenz nicht verhindern kann. Bei genauerer Betrachtung könnte aber ein umgekehrtes Bias vorliegen: Bei einer beginnenden Demenz wird die körperliche Aktivität eingeschränkt.

Eindeutiger ist der Zusammenhang mit Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen. Da diese auch Risikofaktoren für eine Demenz sind, sollten sie konsequent behandelt werden. Und hier ist auch die Studienlage eindeutig, dass regelmäßige körperliche Aktivität protektiv wirkt.

Da die Studie auch schwerwiegende methodische Probleme hat (Datenerhebung zu Demenz aus Krankenakten, Nichterheben relevanter Begleitfaktoren), sollte sie auf keinen Fall Anlass sein, derzeitige Empfehlungen zur Prävention der Demenzen — regelmäßige körperliche Betätigung im Rahmen eines multifaktoriellen Ansatzes — aufzuheben.

Literatur

  1. Kivimäki M, Singh-Manoux A, Pentti J et al. Physical inactivity, cardiometabolic disease, and risk of dementia: an individual-participant meta-analysis. BMJ. 2019;365:l1495CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • H. -C. Diener
    • 1
  1. 1.

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