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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 19, pp 24–24 | Cite as

GOÄ: Lernen Sie das Spiel auf der Steigerungs-Klaviatur

  • Springer Medizin
AUS DER PRAXIS VON HAUSARZT ZU HAUSARZT
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Dr. Gerd W. Zimmermann Facharzt für Allgemeinmedizin Kapellenstraße 9 D-65719 Hofheim

_ In der aktuell noch gültigen GOÄ besteht die Möglichkeit, Leistungen abhängig vom Aufwand unter Zuhilfenahme eines Steigerungsfaktors in Rechnung zu stellen. In § 5 Abs. 2 der GOÄ heißt es, dass die Gebühren „nach billigem Ermessen zu bestimmen“ sind. Als Gründe für eine Faktorsteigerung werden angegeben: „Die Schwierigkeit der einzelnen Leistung, der Zeitaufwand der einzelnen Leistung, die Umstände bei der Ausführung.“

Unter diesen Voraussetzungen kann zwischen dem 1,0- und dem 3,5-fachen Satz gesteigert werden. Bis zum sogenannten Schwellensatz von 2,3 muss dafür keine Begründung angegeben werden. Für eine höhere Steigerung gilt die Bestimmung des § 12, Abs. 3 GOÄ, dass sie „auf die einzelne Leistung bezogen für den Zahlungspflichtigen verständlich und nachvollziehbar schriftlich zu begründen“ ist.

Ist die Rechnung verständlich und nachvollziehbar?

© PeopleImages / Getty Images / iStock

Tab. 1

Beratungsleistungen zum 3,5-fachen Satz

bei längerer Gesprächsdauer abrechenbar

GOÄ

Legende

Euro

Begründung

1

Beratung, auch telefonisch

16,31

Erhöhter Zeitaufwand bei

• komplexer Beratungssituation

• komplexem Krankheitsbild

• komplexem Krankheitsverlauf

3

Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung, auch telefonisch

30,59

804

Psychiatrische Behandlung durch eingehendes therapeutisches Gespräch, ggf. mit gezielter Exploration

30,59

Abweichende Grenzen gelten für die Kapitel A, E und O: Hier liegt der Schwellensatz bei 1,8 und der Höchstsatz bei 2,5. Für Laborleistungen des Kapitels M wiederum kann ohne Begründung nur bis zum 1,15- und maximal bis zum 1,3-fachen Satz gesteigert werden.

MMW-KOMMENTAR

Es stellt sich dabei natürlich die Frage, was unter „verständlich und nachvollziehbar“ zu verstehen ist. Die lapidare Begründung „erhöhter Zeitaufwand“ reicht sicherlich nicht aus. Der Patient muss aus der Rechnung nachvollziehen können, warum der Zeitaufwand ungewöhnlich hoch war. Dabei muss es sich um einen Grund handeln, der beim Patienten liegt. Eine andere Ursache — z. B. dass der Arzt durch Telefonate oder Gespräche mit anderen Personen abgelenkt war und deswegen länger für die Erbringung einer Leistung gebraucht hat — ist nicht zulässig.

Sehen wir uns beispielsweise die im hausärztlichen Bereicht wichtigen Gesprächsleistungen an. Die Begründung für einen höheren Satz könnte z. B. lauten: „Erhöhter Zeitaufwand bei komplexer Beratungssituation“ oder „... bei komplexem Krankheitsbild“ oder „... bei komplexem Krankheitsverlauf“. Eine konkrete Zeitangabe ist zwar nicht erforderlich, aber ratsam.

Wo liegen die Grenzen? Die Leistungslegende der Nr. 1 GOÄ sieht keine Zeitvorgabe vor. Ein solche existiert aber bei der Nr. 3: die Mindestgesprächszeit von 10 Minuten. Daraus lässt sich folgern, dass die Nr. 1 für Beratungen von bis zu 10 Minuten Dauer vorgesehen ist. Ergo kann die Nr. 1 mit dem 3,5-fachen Satz gesteigert werden, wenn die Beratung länger als 10 Minuten dauert und die Nr. 3 z. B. wegen einer Ausschlussregelung nicht angesetzt werden kann.

Dieses Muster greift auch bei anderen Beratungsleistungen, für die eine Mindestzeit oder andere Anforderungen notwendig sind.

So hat auch die Nr. 804 für das eingehende psychiatrische Gespräch keine Zeitvorgabe. Die Nr. 806 für die psychiatrische Behandlung durch Gespräch und gezielte Exploration hingegen muss 20 Minuten dauern. Ergo kann eine längere psychiatrische Gesprächsbehandlung, die das Ziel von 20 Minuten und/oder den Inhalt der Nr. 806 nicht erreicht, mit der Nr. 804 und einem höheren Multiplikator berechnet werden.

Ein weiteres Beispiel ist die Nr. 34, die Erörterung der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung im Zusammenhang mit der Feststellung oder der erheblichen Verschlimmerung einer lebensverändernden oder -bedrohenden Erkrankung. Sie muss mindestens 20 Minuten dauern. Wenn ein Gespräch länger als 20 Minuten dauert, ohne dass der Ausgangspunkt eine solcher Erkrankung ist, wären die Nrn. 1 oder 3 mit einem höheren Multiplikator möglich.

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