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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 39–39 | Cite as

PPI bei Leberzirrhose: Freund oder Feind?

  • Christian Labenz
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) erhöht laut einer Studie bei Patienten mit Leberzirrhose das Risiko für eine manifeste hepatische Enzephalopathie (HE) — und die Mortalität.

Dr. med. C. Labenz I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz

_ Für die prospektive Studie wurden 310 Patienten mit Leberzirrhose ohne manifeste HE rekrutiert, Sie alle wurden mithilfe des Psychometric Hepatic Encephalopathy Score (PHES) auf das Vorliegen einer minimalen HE untersucht und im Mittel 14,1 Monate lang nachbeobachtet. Endpunkte der Studie waren die Entwicklung einer manifesten HE und das Versterben.

42% der Patienten hatten bei Studieneinschluss eine minimale HE. 40% nahmen PPI ein. Mit einer minimalen HE assoziiert waren die Einnahme von PPI, eine manifeste HE in der Vergangenheit, niedrige Albumin- und Natriumwerte sowie ein höheres Alter.

Während der Nachverfolgung entwickelten Patienten unter PPI-Therapie häufiger Episoden manifester HE als Patienten ohne PPI (64% vs. 25%, p < 0,001). Auch in einer multivariaten Analyse unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren ergab sich für die Patienten mit PPI-Einnahme eine Hazard Ratio von 1,83 (p = 0,003). Zusätzlich war die Einnahme von PPI ein unabhängiger Risikofaktor für eine höhere Mortalität (Hazard Ratio 2,37, p < 0,001).

KOMMENTAR

Die Arbeit ist die bisher beste Studie zum kontroversen Thema PPI und HE-Risiko. Eine ihrer Stärken ist das prospektive Design, das die initiale Diagnose einer minimalen HE erlaubte und damit einen wichtigen Störfaktor eliminierte. Ein Kausalzusammenhang zwischen einer erhöhten HE-Rate und höherer Mortalität aufgrund von durch PPI verursachten Mikrobiomveränderungen scheint plausibel. Andererseits könnte die Einnahme von PPI in diesem Patientenkollektiv auch ein Indikator für relevante Komorbiditäten sein. Laut Studien ist sie z. B. mit Rauchen, Übergewicht, NSAR-Einnahme und vaskulären Erkrankungen assoziiert [Hvid-Jensen F et al. Clin Epidemiol. 2013;5:493–9].

In jedem Fall sollten die vorliegenden Daten Anlass sein, bei jedem Patienten — mit und ohne Leberzirrhose — die Indikation für die Einnahme von PPI kritisch zu prüfen. Dies entspricht guter klinischer Praxis, die bei PPI-Verschreibungen vielerorts verloren gegangen ist.

Literatur

  1. Nardelli S et al. Proton pump inhibitors are associated with minimal and overt hepatic encephalopathy and increased mortality in patients with cirrhosis. Hepatology. 2019;70:640–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Christian Labenz
    • 1
  1. 1.

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