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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 38–38 | Cite as

Maligner Tumor täuscht Herzinfarkt vor

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

Ein 84-jähriger Mann kam wegen allgemeiner Schwäche und Kurzatmigkeit in die Notfallambulanz. Wegen eines Infarkt-typischen EKG wurde er sofort in ein Herzkatheterlabor weitergeleitet. Auch dort zeigten sich ST-Hebungen in den Ableitungen I, aVL sowie V2–V6 (Abb. A), also das klassische Bild eines ST-Hebungs-Infarkts (STEMI). Doch weil der Patient keine Brustschmerzen hatte und der Troponin-I-Spiegel nur minimal erhöht war, blieben die Kardiologen skeptisch. Die erweiterte Anamnese ergab, dass bei dem Patienten einen Monat zuvor wegen ungewollter Gewichtsabnahme ein Thorax-CT angefertigt und ein großer intrathorakaler Tumor mit Invasion in den linken Ventrikel entdeckt worden war (Abb. B). Schon zu diesem Zeitpunkt waren die Infarkt-typischen Veränderungen in geringerer Ausprägung nachweisbar gewesen. Eine CT-gesteuerte Nadelbiopsie hatte ein undifferenziertes, nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom ergeben. Die Infiltration des Tumors in das Myokard hatte das Infarkt-EKG vorgetäuscht.

A: Infarkt-typisches EKG. B: Lungentumor mit Invasion in den linken Ventrikel auf dem CT.

© N Engl J Med. 2019;380;e41

Die aufmerksamen Kardiologen konnten dem moribunden Patienten wenigstens die Koronarangiografie ersparen. Nach einem Gespräch mit ihm und seinen Angehörigen wurden nur palliative Maßnahmen eingeleitet. Der Patient verstarb wenige Tage später.

Literatur

  1. Yu D, Blair FEA. A STEMI mimic. N Engl J Med. 2019;380;e41CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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