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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 32–32 | Cite as

Blauschwarze Arme nach Disco-Besuch

  • Gernot Quidenus
AUS DER PRAXIS WAS MMW-LESER ERLEBEN
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_ Ganz aufgeregt stellte sich eines Morgens eine Mutter mit ihrer 16-jährigen Tochter in der Notaufnahme vor. Ich war damals noch in der Weiterbildungszeit. Die Tochter war letzte Nacht in einer angesagten Disco tanzen gewesen und entsprechend übermüdet und blass. Natürlich fühlte sie sich nicht wohl, war sie doch von ihrer Mutter aus dem Bett gezerrt worden.

Was die Mutter noch mehr beunruhigte, war die zyanotisch bis schwarzgrün wirkende Haut. Sie vermutete, dass die Tochter unwissentlich oder gar freiwillig etwas eingenommen hatte, was nun die Herzleistung massiv beeinträchtigte. Sie befürchtete sogar eine Armvenenthrombose. Ein EKG war bereits von den Schwestern geschrieben, die Blutentnahme von der ängstlichen Patientin zunächst verweigert worden.

Die Untersuchung ergab keine Beinödeme, keine obere Einflussstauung, keine zentrale Zyanose. Die Teenagerin wirkte belastbar, die Rekapillarisation war unmittelbar, die Sauerstoffsättigung lag bei 97%.

Schließlich blieb nur noch die Blutentnahme übrig, um die Differenzialdiagnose mittels D-Dimer usw. einzugrenzen, zumal die Mutter nicht eher ge-hen wollte, als die Ursache geklärt wäre. Also desinfizierte ich eine prominente Vene am gestauten Arm, strich mit dem Zellstoff ab — und siehe da! Durch den Alkohol löste sich die Farbe von der Haut, obwohl das zuvor mit Wasser nicht gelungen war.

„Schockschwere Not! Was ist heute Nacht mit meinen Armen passiert?!“

© [M] Paffy69 / Getty Images / iStock

Als Übeltäter wurde der schwarze Pullover der Patientin ausgemacht, der durch den Tanzschweiß abgefärbt hatte. Nun war die Mutter beruhigt, die junge Dame um eine Blutentnahme gekommen und ich um eine Erfahrung reicher.

Diese half mir Jahre später bei einem 88-jährigen Herzkranken mit unklarer Blaufärbung der Arme seit zwei Tagen. Die Pflegekraft bestand auf eine Untersuchung. Hier übersprang ich die apparative Diagnostik, da ich den Patienten gut kannte. Ich benetzte ein Tuch mit Desinfektionsmittel, strich über die Haut und zauberte eine natürliche Hautfarbe hervor. Auch am Unterhemd waren Abfärbespuren seines blauen Holzfellerhemds zu sehen. Der Patient war sichtlich verblüfft.

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Gernot Quidenus
    • 1
  1. 1.RedwitzDeutschland

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