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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 14, pp 24–24 | Cite as

Urethrauntersuchungen

Makrophagen im Penisgewebe sind ein HIV-Reservoir

  • Peter Leiner
AKTUELLE MEDIZIN
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Erstmals sind Makrophagen der ableitenden Harnwege als Reservoir für den AIDS-Erreger HIV identifiziert worden, aus dem nach Reaktivierung die Viren freigesetzt werden. Solche Zellen könnten das Ziel neuer therapeutischer Strategien sein.

_ Bei HIV-Infizierten, die sich einer antiretroviralen Kombinationstherapie unterziehen, werden bei Virusreduktion unter die Nachweisgrenze nicht nur T-Lymphozyten, sondern auch Makrophagen als noch verbliebenes HIV-Reservoir betrachtet. Ob es solche Makrophagen auch im Genitalbereich gibt und dadurch das Infektionsrisiko steigt, war bisher unklar. Es wird geschätzt, dass sich bei HIV-infizierten Männern, die Sex mit Männern haben, etwa jeder Dritte aufgrund von Infektionen im Penisbereich angesteckt hat. Eintrittspforte für das Virus sind die Innenseite der Vorhaut und die Harnröhre, wo es Langerhanszellen und Makrophagen befällt.

Im Fokus: Makrophagen der Harnröhre

Französische Infektiologen und HIV-Spezialisten haben deshalb Penisgewebe von Patienten mit HIV-Infektion genauer untersucht und sich dabei auf Makrophagen der Harnröhre fokussiert. Für ihre Untersuchungen standen ihnen Gewebeproben von 20 HIV-Infizierten zur Verfügung, die sich im Hôpital Saint-Louis in Paris einer chirurgischen Geschlechtsumwandlung unterzogen hatten. Die Patienten waren seit durchschnittlich zwölf Jahren mit HIV-1 infiziert und hatten die antiretrovirale Kombinationstherapie vor mindestens drei Jahren begonnen. Einen Monat (16 Patienten) bzw. 3–5 Monate (vier Patienten) vor der Operation lag die Viruslast bei allen Betroffenen unter der Nachweisgrenze von 40 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter.

Zelle unter HIV-Attacke.

© image_jungle / Getty Images / iStock

Früher Viren-Befall

Mithilfe von molekulargenetischen Untersuchungen entdeckten die Wissenschaftler in der Harnröhre tatsächlich HI-Virus-DNA, die in das Erbgut von bestimmten Makrophagen integriert war. Durch Behandlung dieser Zellen mit dem Zellstimulus Lipopolysaccharid (LPS) wurden die „schlafenden“ HI-Viren reaktiviert. Intakte Virionen befinden sich dabei in speziellen intrazellulären Strukturen. Dagegen ließen sich aus T-Lymphozyten, die ebenfalls von HIV befallen werden, keine AIDS-Erreger reaktivieren.

Die Forscher gehen aufgrund ihrer Beobachtung davon aus, dass die T-Zellen zumindest im Schleimhautbereich der Harnröhre nicht als Erregerreservoir dienen. Ein solches Reservoir entstehe wahrscheinlich kurz nach der Infektion mit dem Erreger, wobei die Viren frühzeitig die Makrophagen befallen.

Die Studienautoren halten es für möglich, dass die HIV-Reservoirs in den Makrophagen bei einem Teil der Männer für die Verbreitung des AIDS-Erregers über das Sperma sorgen.

Es müsse nun geprüft werden, ob HIV-infizierte Makrophagen auch die Verbreitung des Virus ins Blut begünstigen. Auf jeden Fall müssten bei den Bemühungen, HIV zu eradizieren, auch die Makrophagen der Harnröhre in den Blick genommen werden.

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Literatur

  1. Ganor Y et al. HIV-1 reservoirs in urethral macrophages of patients under suppressive antiretroviral therapy. Nat Microbiol. 2019. Online: 4. Februar. DOI:  https://doi.org/10.1038/s41564-018-0335-zCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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