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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 7, pp 18–18 | Cite as

Arrhythmien, Kardiomyopathien, Tod

Lifestyle-Drogen bedrohen das Herz

  • Peter Stiefelhagen
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
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Der Konsum von illegalen Drogen steigt. Daraus resultieren erhebliche Risiken für das Herz-Kreislauf-System. Vor allem junge Menschen sind betroffen.

_ „Die Zahl der Personen, die Lifestyle-Drogen konsumieren, nimmt ständig zu und hat mittlerweile auch in Europa erschreckende Ausmaße angenommen“, so Prof. Stephan Rosenkranz, kardiologische Universitätsklinik Köln. In den USA seien 2017 über 27.000 Todesfälle aufgrund einer Überdosierung solcher Drogen aufgetreten. Das habe erstmals sogar zu einer Abnahme der allgemeinen Lebenserwartung geführt, da vorrangig junge Menschen betroffen sind. Den größten Anstieg verzeichnen synthetische Opioide. In den USA spricht man bereits von einer „Opioid-Krise“.

Cannabinoide: Gefährliche Arrhythmien bis hin zum Herztod

Die am häufigsten konsumierte illegale Droge ist Cannabis, das wegen seiner analgetischen, antiemetischen und antidepressiven Wirkung auch als Medikament eingesetzt wird. „Eine besonders große Gefahr sind die synthetischen Cannabinoide, die als Räuchermischungen wie z. B. Spice auf den Markt kommen und aus dem Internet bzw. aus Headshops bezogen werden“, betonte Rosenkranz.

Cannabinoide induzieren eine Tachykardie durch Stimulation des adrenergen Systems. Darüber hinaus werden die Plättchen aktiviert und eine Prokoagulation induziert. Außerdem können Vasospasmen auftreten, sodass neben dem erhöhten Sauerstoffverbrauch auch die Sauerzufuhr beeinträchtigt wird. Die Folgen sind Myokardischämien und gefährliche Herzrhythmusstörungen bis zum akuten Herztod. Im EKG zeigen sich ST-Hebungen, man spricht auch von einem Marihuana-induzierten Myokarditis- oder Brugada-Syndrom.

Keine Party ohne Drogen-Kick?

© Joshua Resnick / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

Gefäßdissektionen unter Kokain

Auch der Konsum von Kokain und Crack steigt deutlich. Diese Drogen verursachen ebenfalls Schäden an den Kardiomyozyten und den Gefäßzellen. Es können gefährliche Arrhythmien, Infarkte und zerebrale Insulte auftreten. An den Blutgefäßen kommt es zu einer Vasokonstriktion mit der Gefahr einer Dissektion an den Koronargefäßen und der Aorta. Auch pulmonale Symptome wie Bronchospasmen und Infiltrationen treten auf.

Kardiotoxische Partydrogen

Amphetamine und Methamphetamine (Crystal Meth) wirken als indirekte Sympathikomimetika und führen zu einer Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin. „Auch hier gibt es eine Reihe von gefährlichen kardiovaskulären Effekten wie Hypertonie, Tachykardie, VTs und Kammerflimmern, und es kann sich das Bild einer Kardiomyopathie entwickeln“, so Rosenkranz. MDMA wie Ecstasy oder Molly machen euphorisch und empathisch. Auch diese Drogen induzieren Tachykardie, Hypertonie und Hyperthermie.

Immer neue Substanzen

Bei den neuen psychoaktiven Substanzen ist das Feld sehr dynamisch. „Es gibt ein Wettrennen zwischen Anbietern und Überwachungsbehörden“, so Rosenkranz. „Kaum ist eine Substanz verboten, erscheint eine neue auf dem Markt.“ Dabei handele es sich häufig um sehr potente und sehr gefährliche Substanzen, die unvorhersehbare Effekte auf zahlreiche Organsysteme einschließlich das Herz-Kreislauf-System entfalten.

Erschreckende Zahlen

Nach dem Europäischen Drogenbericht 2018 konsumieren 92 Millionen Erwachsene in Europa im Lauf ihres Lebens illegale Drogen, 1,3 Millionen Menschen sind deshalb in Behandlung. Die Zahl der durch Drogen ausgelösten Todesfälle ist von 7.585 im Jahr 2017 auf 8.441 im Jahr 2018 gestiegen, wobei das Durchschnittsalter bei 38 Jahren liegt und in 79% Opioide die Auslöser sind. An erster Stelle steht Cannabis, das von 87,7 Millionen Menschen während ihres Lebens eingenommen wird. Es folgen Kokain mit 17,5 Millionen, MDMA mit 14,0 Millionen und Amphetamine mit 12,5 Millionen. 1,3 Millionen Menschen sind Hochrisiko-Opioid-Konsumenten. Das Lebenszeitrisiko bei 15- bis 16-jährigen Schülern für neue psychoaktive Substanzen beträgt mittlerweile 4%.

Literatur

  1. Fortbildungsveranstaltung der kardiologischen Universitätsklinik Köln: Was ist neu in der Kardiologie? 12.1.2019 in KölnGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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