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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 161, Issue 2, pp 29–29 | Cite as

Vorsorge bei Fußballern

Herz-Screening für alle Jungprofis?

  • Veit Göller
  • Heinrich Holzgreve
AUS DER PRAXIS LESERFORUM
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In MMW 21-22/2018 befassten wir uns auf S. 37 mit einer Studie zur Prävention des plötzlichen Herztods bei jungen Fußballern. Die Kosten für die Entdeckung eines Risikoträgers wurden mit ca. 100.000 US-Dollar, also ca. 87.500 Euro angegeben. Ein Leser meint, hierzulande wäre das billiger.

_ Haben Sie mal berechnet, was ein Kardiologe in Deutschland für diese Untersuchungen nach EBM bekommen würde? Für geschätzt deutlich unter 1 Million Euro würde man unter 11.000 die 267 auffälligen Sportler finden. Ein bisschen teurer wäre es nach GOÄ. In anderen Ländern kostet das also offensichtlich das Vielfache.

Antwort des Autors:

Für mich ist die Kosten-Nutzen-Relation entscheidend. Die Autoren veranschlagen für eine Eingangsuntersuchung mit Beratung, EKG und Echokardiografie 342 US-Dollar. 830 der 11.168 Studienteilnehmer wurden weiter untersucht sodass die Gesamtkosten bei etwa 4,3 Millionen Dollar lagen.

Mittels Division errechnet sich für jeden der 42 Sportler mit einem ernsthaften Risiko für plötzlichen Herztod ein finanzieller Aufwand von gut 100.000 Dollar. Bricht man die Kosten auf die 267 Sportler mit irgendeiner Herzkrankheit herunter, kommt man immerhin noch auf über 16.000 Dollar pro Fall.

© Dmytro Aksonov / Getty images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Meine Interpretation: Die Kosten sind sehr hoch, sicher auch in Deutschland. Wenn diese Vorsorgeuntersuchung eingeführt werden sollte, müsste ein Kostenträger natürlich bereit sein, alle Leistungssportler jeder Disziplin und jeden Alters aufzunehmen.

Wie ist nun der Nutzen? Von den 11.168 Untersuchten verstarben innerhalb von im Mittel 10,6 Jahren 23 — davon acht infolge eines plötzlichen Herztods. Von diesen hatten nur zwei zuvor ein Sportverbot erhalten, sechs waren in der Untersuchung unauffällig gewesen. Im gleichen Zeitraum starben sieben bei Verkehrsunfällen, fünf wegen Malignomen, zwei an einer Drogenüberdosis und einer am Suizid.

Meine Interpretation: Der Nutzen ist sehr begrenzt. Mit Unfallschutz und Drogenbekämpfung in der Gesamtbevölkerung würde man mehr erreichen als mit Tauglichkeitsuntersuchungen bei angehenden Profisportlern.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Veit Göller
    • 1
  • Heinrich Holzgreve
    • 2
  1. 1.MemmingenDeutschland
  2. 2.MünchenDeutschland

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