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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 17, pp 35–35 | Cite as

SSRI wirken als Alzheimer-Bremse

  • A. Broocks
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Bei depressiven Patienten mit einer leichten kognitiven Störung könnte eine längerfristige Einstellung auf einen SSRI Vorteile bringen: Eine aufwändige Studie zeigt, dass sich so die Alzheimer-Demenz aufhalten lässt.

Prof. Dr. med. A. Broocks Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, Helios Kliniken Schwerin

_ Depressive Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für eine Alzheimer-Demenz assoziiert. Es existieren Hinweise darauf, dass der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)Citalopram die Bildung von Amyloid-beta-Plaques inhibiert.

Nun wurden die Daten von 755 Teilnehmern einer longitudinalen Neuroimaging-Studie, in der es um den Übergang von einer leichten kognitiven Störung (mild cognitive impairment, MCI) zu einer Demenz vom Alzheimer-Typ ging, mithilfe einer Kaplan-Meier-Analyse ausgewertet. Dabei wurden zusätzlich Analysen im Hinblick auf das Vorliegen des genetischen Risikofaktors ApoE4 und das Alter durchgeführt.

Bei MCI-Patienten, die anamnestisch auch unter einer depressiven Erkrankung litten, war die länger als 4 Jahre andauernde, kontinuierliche Einstellung auf einen SSRI mit einem signifikant verlangsamten Übergang in eine Demenz vom Alzheimer-Typ verbunden. Im Durchschnitt dauerte dies etwa drei Jahre länger. Ein solcher Effekt wurde nicht beobachtet, wenn andere Antidepressiva oder SSRI nur kurzfristig verabreicht wurden, oder wenn gar keine medikamentöse antidepressive Behandlung durchgeführt worden war.

Unterschiede im Hinblick auf Biomarker im Liquor wurden hingegen nicht beobachtet.

KOMMENTAR

Diese hochkarätige Datenanalyse verdanken wir der prospektiven Multicenter-Studie Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative, für die mehr als 1.500 MCI- oder Alzheimer-Patienten sowie zusätzlich gesunde Kontrollpersonen jährlich neuropsychologisch, genetisch, mit bildgebenden Verfahren sowie bezüglich möglicher Biomarker in Blut oder Liquor untersucht wurden.

Wenn sich die Ergebnisse in weiteren prospektiven klinischen Behandlungsstudien reproduzieren ließen, hätte dies eine enorme klinische und volkswirtschaftliche Bedeutung.

Eine Empfehlung für eine kontinuierliche, längerfristige Einstellung auf einen SSRI bei Vorliegen einer Depression stünde nicht im Widerspruch zu aktuellen therapeutischen Empfehlungen. Denn sowieso zeigt sich immer wieder, dass das Absetzen eines Antidepressivums auch nach mehrjähriger Stabilität mit dem erhöhten Risiko einer erneuten depressiven Phase verbunden ist.

Literatur

  1. Bartels C, Wagner M, Wolfsgruber S et al. Impact of SSRI therapy on risk of conversion from mild cognitive impairment to alzheimer’s dementia in individuals with previous depression. Am J Psychiatry. 2018;175:232–41CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • A. Broocks
    • 1
  1. 1.

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