Advertisement

MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 17, pp 33–33 | Cite as

Hirnblutungen unter DOAK weniger heftig

  • H. -C. Diener
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN

Wenn unter einer Antikoagulation eine intrazerebrale Blutung auftritt, haben Patienten, die ein DOAK einnahmen, eine geringere Sterblichkeit als Patienten unter Warfarin.

Prof. Dr. med. H.-C. Diener Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen

_ In der Prophylaxe von ischämischen Insulten bei Patienten mit Vorhofflimmern sind direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) mindestens genauso wirksam und z. T. wirksamer als Warfarin und haben insgesamt ein deutlich geringeres Blutungsrisiko. Mehrere aktuelle Studien untersuchten nun Größe und Prognose der Blutungen.

So wurden in Japan anhand der Entlassungsdiagnosen von 621 Krankenhäusern aus dem Zeitraum April 2010 bis März 2015 insgesamt 2.245 Patienten identifiziert, die unter Antikoagulation eine intrazerebrale Blutung erlitten hatten. 227 waren unter einem DOAK aufgetreten, 2.018 unter Warfarin.

Die Auswertung der erhobenen Daten ergab, dass mit DOAK behandelte Patienten seltener eine relevante Bewusstseinsstörung (31,3% vs. 39,4%) hatten. Bei ihnen war auch seltener ein neurochirurgischer Eingriff notwendig (5,3% vs. 9,9%). Ferner hatten sie eine geringere Sterblichkeit nach sieben Tagen (Hazard Ratio 2,29) bzw. bis zur Krankenhausentlassung (HR 1,6).

Das Ausmaß der Behinderung, gemessen mit der modifizierten Rankin-Skala, unterschied sich zwischen den beiden Therapiegruppen nicht.

KOMMENTAR

Die Daten lassen darauf schließen, dass Blutungen, die unter DOAK auftreten, kleiner sind. Die Ergebnisse decken sich mit denen anderer, in letzter Zeit publizierter Studien, die u. a. mithilfe von zerebraler Bildgebung zeigen konnten, dass DOAK-induzierte Hirnblutungen ein geringeres Volumen haben und seltener zu einem Hämatomwachstum führen als Blutungen unter Vitamin-K-Antagonisten. Diese werden allerdings im deutschen Versorgungsalltag in der Sekundärprävention nach ischämischem Insult fast nicht mehr eingesetzt.

© [M] ValeryBrozhinsky / Getty Images / iStock

Literatur

  1. Kurogi R, Nishimura K, Nakai M et al. Comparing intracerebral hemorrhages associated with direct oral anticoagulants or warfarin. Neurology 2018; 90: e1143–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • H. -C. Diener
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations