MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 7, pp 20–20 | Cite as

Schmerztherapie ungenügend

Viele Tumorpatienten müssen unnötig leiden

AKTUELLE MEDIZIN . MELDUNGEN
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Aktuelle Daten zur hiesigen Versorgungsqualität von Patienten mit tumorbedingten Schmerzen haben Ergebnisse zutage gefördert, die nicht nur den Betroffenen wehtun müssen.

_ „Unverändert ist die schmerzmedizinische Versorgung von Tumorpatienten in Deutschland unzureichend und von einer bunten Mischung aus Unter- und Fehlversorgung gekennzeichnet.“ Dieses Fazit ziehen die Schmerzexperten Michael Überall, Nürnberg, und Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen, aus den Resultaten einer Studie im Fachjournal „Schmerzmedizin“.

An der Online-Querschnittbefragung im Rahmen der Praxis-Leitlinien-Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin waren 5.576 Patienten mit tumorbedingten Schmerzen beteiligt, von denen 47,4% auch unter tumorbedingten Durchbruchschmerzen litten.

Dauerschmerzen durch den Tumor wurden laut der erhobenen Daten bei 21,1% der Patienten nicht ausreichend behandelt. Als Merkmal einer Unterversorgung galt dabei beispielsweise der Verzicht auf ein WHO-3-Opioidanalgetikum trotz 24-stündiger Dauerschmerzen von mehr als 40 mm auf der VAS-Skala. Bei den Durchbruchschmerzen betrug die Unterversorgung 35,4%; das war etwa der Fall, wenn die Schmerzen bei einer Opioid-Tagesdosis von weniger als 60 mg Morphinäquivalent auftraten.

Bei 7,7% der Dauerschmerzen und 5,3% der Durchbruchschmerzen war eine Fehlversorgung festzustellen. Dabei entstehen vermeidbare Schäden respektive übersteigt das Schadenspotenzial den möglichen Nutzen. Definiert war die Fehlversorgung unter anderem als Einsatz einer Rescue-Therapie, ohne dass Durchbruchschmerzen vorgelegen hätten, bzw. bei unzureichender Opioid-Tagesdosis. Nicht selten war die Kombination von Unter- und Fehlversorgung. Der Anteil betrug bei Patienten mit Dauerschmerzen 23,7% und bei jenen mit Durchbruchschmerzen 30,6%.

Formal adäquat versorgt waren laut der Analyse 37,1% der Patienten mit tumorbedingten Schmerzen. Bei den Dauerschmerzpatienten lag der Anteil mit 47,5% höher als bei den von Durchbruchschmerzen Betroffenen mit 28,7%.

Literatur

  1. Überall MA, Müller-Schwefe GHH. Schmerzmedizin 2018;34 (2):38–48CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • rb
    • 1
  1. 1.

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