MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 6, pp 34–34 | Cite as

Gicht begünstigt erektile Dysfunktion

  • C. Diehm
FORTBILDUNG KRITISCH GELESEN
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Eine prospektive Studie zeigt, dass Gichtpatienten deutlich häufiger an Erektionsstörungen leiden als ihre Altersgenossen. Die Probleme beginnen bereits im Vorfeld der Gichtdiagnose.

Prof. Dr. med. C. Diehm Angiologie, Max Grundig Klinik, Baden-Baden

_ Für eine prospektive Kohortenstudie wurden dem britischen Clinical Practice Research Datalink (CPRD) die Daten von 9.653 männlichen Gichtpatienten entnommen. Ihnen wurden 38.218 Kontrollpatienten gegenübergestellt, die dieselbe Altersstruktur hatten und dieselben Praxen besuchten. Die Auswertung ergab, dass Männer nach der Erstdiagnose einer Gicht ein um 31% erhöhtes Risiko für eine erektile Dysfunktion (ED) haben. Multivariate Analysen ergaben zudem, dass das Risiko im Jahr vor der Gichtdiagnose erhöht war.

Potenzprobleme sind zumeist sehr belastend.

© bowdenimages / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen

Interessanterweise hatte eine frühere CPRD-Studie bereits gezeigt, dass auch die Risiken für Herz-Kreislauf-Komplikationen und Depression schon mehr als zehn Jahre vor einer Gichtdiagnose erhöht waren [Kuo CF et al. Ann Rheum Dis. 2016;75:210–7]. Depressive Episoden korrelierten eindrucksvoll mit Prävalenz und Inzidenz von Gicht. Das könnte eine indirekte Ursache für die höhere ED-Rate sein.

Die neuen Daten ergaben keine protektiven Effekte einer uratsenkenden medikamentösen Behandlung auf die ED-Inzidenz. Allerdings lässt die Behandlung in Großbritannien sowieso zu wünschen übrig. Ein optimaler Zielwert für die Harnsäure wäre < 6 mg/dl.

KOMMENTAR

Ein erhöhter Harnsäurespiegel ist ein deutlicher Risikofaktor für die Entstehung einer ED. Und generell ist er ein Risikofaktor ersten Grades für die Entstehung einer frühzeitigen und schweren Arteriosklerose. Vermutlich wird diese Tatsache vielfach unterschätzt.

Dabei ist die Gicht eine Volkskrankheit. Und sie ist eben mehr als eine Gelenkentzündung. Die Patienten haben ein deutlich höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, auch wenn die Evidenz dafür sehr dünn ist. Eine kleinere Studie zeigte auch eindrucksvoll die Assoziation zwischen einer Allopurinol-Therapie und einer Verbesserung der Endothelfunktion [Mercuro G et al. Am J Cardiol. 2004;94:932–5].

Hyperurikämiepatienten sollten mittel- und langfristig ihr Körpergewicht reduzieren. Die Indikation für eine begleitende Gabe von Allopurinol sollte großzügiger gestellt werden.

Literatur

  1. Abdul Sultan A, Mallen C, Hayward R et al. Gout and subsequent erectile dysfunction: a population-based cohort study from England. Arthritis Res Ther. 2017;19:123CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • C. Diehm
    • 1
  1. 1.

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