MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 159, Issue 3, pp 74–74 | Cite as

Aktiv gegen den Zuckerfuß

Sensibilitätsstörungen beachten

  • Werner Stingl
PHARMAFORUM
  • 125 Downloads

_ In Deutschland werden derzeit pro Jahr 40.000 Amputationen infolge eines diabetischen Fußsyndroms durchgeführt, so der Internist Dr. Arthur Grünerbel vom Diabeteszentrum München-Süd. Dies sei umso bedauerlicher, als diese Katastrophe einen längeren neuropathischen Vorlauf habe und durch rechtzeitige Gegenmaßnahmen abgewendet werden könne.

Gewissermaßen „leider“, so Grünerbel, fällt eine diabetische Neuropathie nur bei einem Viertel aller Betroffenen mit Schmerzen auf, die stark genug sind, um die Patienten rasch zum Arzt zu führen. Weniger spürbare Warnsignale bis hin zu manifesten Druckgeschwüren werden oft lange übersehen, unterschätzt oder ignoriert. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte bei Diabetikern gezielt nach suspekten Symptomen fragen und die Füße regelmäßig gewissenhaft auf Sensibilitätsstörungen und konsekutive Läsionen untersuchen. Diesbezüglich scheint Deutschland allerdings noch ein Entwicklungsland zu sein. Grünerbel zitierte Ergebnisse der nationalen Kora-F4-Studie, wonach bei jedem dritten der dort erfassten über 60-jährigen Diabetiker noch nie die Füße inspiziert worden waren.

Regelmäßige Fußuntersuchungen sind bei Diabetikern ein absolutes Muss.

© Aufklärungsinitiative DN

Interdisziplinäre Fußrettung

Eine diabetische Neuropathie ist eine sehr häufige Diabeteskomplikation. Etwa jeder dritte Zuckerkranke ist betroffen. Speziell bei Typ 2-Diabetikern etabliert sich das Nervenleiden gar nicht so selten, noch bevor die Zuckerstoffwechselstörung diagnostiziert ist — oder, so auch Grünerbels Erfahrung, sogar schon in prädiabetischen Stadien. Die Prävalenz diabetischer Fußulzera in der diabetischen deutschen Bevölkerung werde aktuell auf zwischen 2% und 10% beziffert.

Die wichtigste Maßnahme gegen eine diabetische Neuropathie und ihre gravierenden Folgen für die Füße ist eine optimale Blutzuckereinstellung durch Lebensstiländerungen und geeignete Medikamente. Stoffwechselexperten, Neurologen, Angiologen, Orthopäden, Podologen und orthopädische Schuhmacher müssen für eine bestmögliche Versorgung der Patienten zusammenarbeiten.

Ergänzend rät Grünerbel zur Einnahme von Benfotiamin (enthalten z. B. in milgamma® protekt). Das Provitamin gleicht den bei Diabetikern häufigen Vitamin-B1-Mangel aus und wirkt der Bildung nervenschädigender Advanced Glycation Endproducts (AGE) entgegen. In einer sechswöchigen, doppelblinden, kontrollierten Studie mit 165 Patienten kam es unter täglich 300 oder 600 mg Benfotiamin gegenüber Placebo zu einer signifikanten Reduktion neuropathischer Symptome insbesondere Schmerzen und Taubheit in den Füßen.

Literatur

  1. Media Dinner „Aktiv gegen den Zuckerfuß“ ; München, Oktober 2016 (Veranstalter: Wörwag Pharma)Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Werner Stingl
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations