Wer kümmert sich um den Dolmetscher für Flüchtlinge?
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Dr. Gerd W. Zimmermann Facharzt für Allgemeinmedizin Kapellenstraße 9 D-65719 Hofheim
_ In den letzten Wochen sind die Flüchtlingszahlen wieder angestiegen, und nach den Prognosen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bleiben sie bis auf weiteres hoch. Die Flüchtlinge werden nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, in den Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft einfließen, auf die deutschen Bundesländer verteilt. Grundsätzlich gilt auch für Flüchtlinge, dass der Arzt, wenn sie sich in medizinische Behandlung begeben, sie über die Behandlung aufklären muss. Wie aber soll das passieren, wenn ein Flüchtling in der Praxis steht und kein Deutsch kann?
Manche Behandlung scheitert schon an der Verständigung.
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MMW-KOMMENTAR
Wenn eine Verständigung mit dem Arzt auch in einer anderen Sprache, etwa Englisch oder Französisch, nicht möglich ist, besteht der Anspruch auf eine sprachkundige Hilfe. Dabei muss es sich aber nicht um einen professionellen Dolmetscher handeln. Auch Familienangehörige, Freunde oder Bekannte können aushelfen. Das Asylbewerberleistungsgesetz sieht sogar vor, dass der Hilfesuchende zunächst die Möglichkeiten einer unentgeltlichen sprachlichen Hilfestellung durch Verwandte, Bekannte oder sonstige Personen ausschöpfen muss, bevor er einen professionellen Dolmetscher beanspruchen kann. Sind diese Voraussetzung nicht gegeben, kann die Behandlung — ausgenommen in Notfällen — abgelehnt werden.

