Sonografie nur bei auffälliger Anamnese
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In Heft 8/2015 ging es ab S. 45 um Harnwegsinfekte. Ein Leser hat dazu einige Nachfragen:
_ Wieso wird Ciprofloxacin in einer Dosierung von 500 mg 1-0-1 empfohlen, obwohl laut der Leitlinie die Dosierung beim unkomplizierten Harnwegsinfekt (HWI) 250 mg 1-0-1 beträgt. Außerdem ist, wie richtig erwähnt, Ciprofloxacin hier nur Mittel der zweiten Wahl — erste Wahl wäre Nitrofurantoin. Canephron® ist laut Herstellerangaben für die alleinige Therapie des HWI gar nicht zugelassen, Cystinol® akut aber schon. Wie soll in der Praxis ein komplizierter HWI identifiziert werden? Ein Kriterium sind Begleiterkrankungen. Diese können nur mittels Sonografie ausgeschlossen werden — muss diese also bei jedem banalen HWI durchgeführt werden?
Antwort von Dr. Brummeisl:
Die Dosierung von Ciprofloxacin bei einer Zystitis wird in der Packungsbeilage mit 2 × 250–500 mg/d angegeben. Nach unserer Erfahrung erzielt man mit 500 mg bessere Erfolge. Nitrofurantoin verwenden wir gern als Langzeitprophylaxe. Es wirkt aufgrund einer sehr guten Resistenzlage auch oft bei Problemkeimen, daher setzen wir es selten primär ein. Canephron® wird unterstützend bei entzündlichen HWI empfohlen. Aber was soll es unterstützen? Eine ausreichende Trinkmenge? Eine Antibiotikatherapie? Eine einfache Zystitis lässt sich mit Trinkmengensteigerung und Canephron® gut behandeln.
In unserer Klinik bekommt jeder Patient eine Sonografie der ableitenden Harnwege. Bei unauffälliger Anamnese — sicherlich das wichtigste Entscheidungskriterium für eine weitere Diagnostik — finden wir in vielleicht 1% einen weiteren pathologischen Befund, meist Restharn bei älteren Damen. Ich würde die Sonografie bei anamnestischen Hinweisen auf einen komplizierenden Faktor empfehlen.